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Sergei Prokofjew

Streichquartette Nr. 1 u. 2

Pavel Haas Quartett

Supraphon/Codaex SU 3957
(60 Min., 4 u. 6/2009)

Eigentlich spielt das Pavel Haas Quartett genauso, wie man es sich von jungen Musikern wünscht (und nur sehr selten zu hören bekommt): leidenschaftlich, risikofreudig, energiegeladen. Abgeklärt und gelassen geht ja später immer noch, und auch ihre dritte, den Quartetten Prokofjews gewidmete CD lässt hoffen, dass es bis zum Erwachsenwerden noch möglichst lange dauern möge. Denn schon Prokofjews erstes Quartett profitiert ungemein von dem jugendlichen Feuer und der Hingabe, mit der sich die vier Tschechen in die Musik stürzen. Der leichte Überdruck und der etwas aufgeraute Ton der beiden Geigerinnen Veronika Jaruskova und Eva Karova verleihen den Kantilenen einen Extragrad an sehrender Intensität, und auch Pavel Nikl (Viola) und Peter Jarusek (Cello) scheuen sich nicht, manchmal mit einer geradezu physischen Inbrunst einzusetzen. Dissonanzen, wie im langsamen Satz des ersten Quartetts, besitzen schneidende Grellheit. Das wirkt freilich nie grob, weil die vier erstens genau differenzieren und auch süße und fahle Töne kennen, und zweitens, weil bei ihnen der Klang immer reich genug ist, um auch Ausdrucksextreme zu tragen. Dem folkloristisch gesättigten zweiten Quartett von 1941 bekommt dieses herzhaft musikantische Spiel sogar noch besser, die Sonate für zwei Violinen Opus 56, von den Haas-Geigerinnen im gleichen Geist überbordender Musizierlust gespielt, ist ein ideales Brückenstück in dieser hinreißenden Aufnahme.

Jörg Königsdorf, 10.07.2010



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