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Johann Pachelbel, Johann Nepomuk Hummel, Johann Joseph Abert, Milko Kelemen u.a.

Stuttgart Compositions

Stuttgarter Kammerorchester, Michael Hofstetter

Hänssler Classic/Naxos 98610
(55 Min., 12/2009 u. 4/2010)

Musikalische "Nachrichten aus der Provinz"? Jedenfalls war das württembergische Stuttgart kompositorisch nicht annähernd so ergiebig wie das badische Mannheim. Und so kommt auch diese Aufnahme, die sich "Stuttgart Compositions" nennt, nicht ohne gekratzte Kurven aus – wäre sie nicht so unwichtig, man könnte sagen: nicht ohne satte Etikettenschwindel. Zum Beispiel hebt die CD effektvoll mit Pachelbels berühmtem Kanon an (gut gespielt übrigens). Aber Pachelbel hatte gerade mal zwei Jahre mit Stuttgart zu tun, als Stiftskantor der Herzogin Magdalena Sibylla, und den Kanon hat er dort nicht komponiert. Franz Ignaz Beck, der mit einer reichlich formelhaften frühklassischen Sinfonie antritt, war – reiner Mannheimer. Und Johann Nepomuk Hummel wirkte ebenfalls nur zwei Jahre als Hofkapellmeister in Stuttgart. Was er von der Stadt hielt, zitiert sogar das Booklet: "Hier ist kein Platz für einen Künstler, der die Welt mit seinen besten Arbeiten bereichern soll." Das saß.
Der einzige genuin stuttgartische Komponist, Peter Joseph von Lindpaintner, der eine grausam ungelenke Adaption von Schillers "Glocke" verbrach, wird gottlob nur im Text erwähnt. Bleiben als "Stuttgarter Komponisten" eigentlich nur noch zweie, der Hofmusiker Johann Joseph Abert, der das Repertoire seines Instrumentes um ein "Konzert für Kontrabass und Streichorchester" bereicherte, ein geradezu operettenhaft melodieverliebtes Stück Kunsthandwerk, und der Exilkroate Milko Kelemen, der immer noch dort lebt. Sein Stück "A Stuttgart Imagination" hat als einziges tatsächlich einen farbenfroh-zeitgenössischen Bezug zur Stadt. Ansonsten das routiniert aufspielende, von Karl Münchinger gegründete Stuttgarter Kammerorchester unter Michael Hofstetter, sowie der produzierende Südwestrundfunk. Ja, und dann natürlich noch das Label, Hänssler Classic: alles Stuttgart. Was die "Compositions" angeht, war jedoch in erster Linie der Wunsch der Vater des Gedankens.

Thomas Rübenacker, 07.08.2010



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