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Richard Wagner, Johannes Brahms

"Parsifal "-Vorspiel, Doppelkonzert, Sinfonie Nr. 4

Lisa Batiashvili, Truls Mørk, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle

EuroArts/Naxos 2055998
(102 Min., 5/2007)

Der heilige "Parsifal" in dieser unheiligen Halle: Das hat was! Wer am 1. Mai 2007 beim Europakonzert der Berliner Philharmoniker in dem von Röhren und Klinkersteinen geprägten, 1897 erbauten Berliner Kabelwerk Oberspree zugegen war, der durfte irritiert und fasziniert zugleich gewesen sein: So sehr konterkarierte die karge Industriekathedrale Wagners Weiheklänge zum "Parsifal "-Vorspiel, dass dieses hier seine ganz eigene Aura entfalten konnte. Zumal Simon Rattle die Philharmoniker, die 2007 zu ihrem 125. Jubiläum aufspielten, zu einem wunderbar dichten Legatissimo anhielt. Wer nun per DVD-Mitschnitt auch noch sieht, welches "äußere" Glühen und Blühen dem ausladend gestikulierenden Philharmoniker-Chef eigen ist, der kann die Kongruenz von Auge und Ohr dieses Mitschnitts nur bestaunen. Noch mehr beeindruckte das Solistenpaar. So schlank und klar disponierend und doch so beseelt agierte das Duo Batiashvili/Mørk, dass sein Brahms'sches Doppelkonzert zu einem Höhepunkt der Diskografie geriet. Der gemeinhin gegen das Opus erhobene Vorwurf, es biete den Solisten zu wenig virtuose Selbstdarstellung, verflüchtigte sich sogleich angesichts der geradezu perfekten, kommunikativen Eintracht der georgischen Geigerin und ihres norwegischen Partners. Im scharf pointierten, vitalen Schluss-Satz ließ sich diese Einheit auch visuell goutieren: an der spontanen Freude beider über ihr passgenaues Zuspiel der Motivbälle. Dass Rattle dem Paar dafür genügend Zeit und Atem ließ, war einer der orchestralen Meriten dieses denkwürdigen Konzertierens. Leider konnte Brahms vierte Sinfonie nicht dieselbe Suggestion entfalten. Nicht, dass am makellosen und auch höchst engagierten Philharmonikerspiel etwas auszusetzen gewesen wäre – aber die vielen "starken" Momente, die Rattle mit wahrer Inbrunst zelebrierte, wollten sich nicht recht zusammenfügen, um aus der strengen Architektonik des Werkes auch ein außergewöhnliches Konzerterlebnis zu machen. Allenfalls der dritte Satz, das rhythmisch mitreißende Allegro giocoso, machte da eine Ausnahme.

Christoph Braun, 21.08.2010



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