Responsive image
Georg Friedrich Händel

Sonaten für Flöte

Jan de Winne, Lorenzo Ghielmi, Marco Testori

Evil Penguin Records/Codaex EPRC 006
(62 Min., 6 u. 8/2009)

Händels hemmungsloses Wiederverwerten eigener Musik in immer neuen Gestalten macht es in vielen Fällen nicht ganz einfach, die Genese seiner Werke nachzuvollziehen. Es scheint sicher, dass die meisten seiner Sonaten für Traversflöte und Continuo Bearbeitungen schon zuvor existierender Werke sind – rasch verfertigt für lukrative Druckausgaben, weil die Traversflöte sich nach und nach durchzusetzen begann und die Blockflöte zu verdrängen im Begriff war. Wofür auch immer die Stücke ursprünglich gedacht waren: Die Bearbeitung schmälert nicht die Qualität ihrer musikalischen Substanz, und dass sie sich für den Vortrag auch einer Traversflöte hervorragend eignet, beweist Jan de Winne auf dieser CD. Er glänzt mit seinem vollen, warmen und dunklen Ton sowie mit der beständigen Ruhe seines souveränen Spiels. Verzierungen bringt er gezielt, aber keineswegs im Übermaß an – er scheint kein Freund des Trillerns und Diminuierens um jeden Preis zu sein. Mit Lorenzo Ghielmi hat de Winne einen kompetenten und einfühlsamen Begleiter gewonnen, der beim Continuo-Improvisieren das ganze breite Spektrum dieser Kunst zum Erlebnis zu machen versteht. Dritter im Bunde ist der Cellist Marco Testori, der klanglich brillant mit de Winne harmoniert und das Geschehen von der Bassseite her feinsinnig stützt und vorantreibt. Kammermusikalisches Können der Extraklasse präsentieren die drei Musiker auf dieser hörenswerten CD. Virtuose Extrovertiertheit steht nicht im Vordergrund, wohl aber das detailreiche und nuancierte Ausleuchten der Werke.

Michael Wersin, 28.08.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top