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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 8

Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Hänssler Profil/Naxos PH10031
(83 Min., 9/2009) 2 CDs

"Der Typus lauert auf bestimmte Momente, vermeintlich schöne Melodien, grandiose Augenblicke." Natürlich gehört Christian Thielemann nicht zu Adornos recht verächtlicher Kategorie des bildungsbürgerlichen Musikkonsumenten (der wir doch fast alle angehören). Schon allein deshalb nicht, weil er eine komplexe Partitur lesen kann. Und aus ihr, wie seine neueste Bruckner-Exegese mit der fabelhaften Staatskapelle aus Dresden zeigt, geradezu magisch anziehende Klänge herausfiltert, deren restlos ausgehorchte Tiefenschichtung ihresgleichen sucht im romantisch-großsinfonischen CD-Repertoire. Und sonst? Auch auf die Gefahr der Wiederholung (wie schon bei der bislang publizierten Vierten, Fünften und Siebten): prozessuales, auf den Formverlauf gerichtetes Denken ist Thielemanns Sache nicht, auch nicht bei Bruckners gewaltigster Schöpfung (die hier in der problematischen, gleichwohl gängigen Haas-Fassung vorliegt, die "das Beste" von Erst- und stark umgearbeiteter Zweitfassung kompiliert). Schon ihr Beginn offenbart: Wo beispielsweise Hans Rosbaud oder Michael Gielen den drängenden Puls, die scharfen Bass-Punktierungen und mit ihnen das unterschwellig Dräuende des kommenden Ganzen hervorkehren, da setzt Thielemann auf gedehnte Lamenti und Seufzer-Attitüden, auf Schönklang, auch melodischen, par excellence. Überhaupt: das "Mysterium" Bruckner hat noch niemand weihevoller zelebriert als Thielemann in diesem seinem fast halbstündigen Adagio, dessen kathartisch ritardierender Höhepunkt sich geradezu obszön demonstrativ entlädt. (Womit wir doch wieder bei jenen "grandiosen Augenblicken" wären). Dazu passen Cover und Booklet der Einspielung: Der kleingedruckte Bruckner hat da kaum noch Platz neben der umjubelten Vorab-Inthronisierung des neuen Kurfürsten am Hof der Staatskapelle am 14. September letzten Jahres.

Christoph Braun, 11.09.2010



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