Händels Oratorium "Athalia", uraufgeführt 1733 in Oxford und womöglich ein wichtiger Meilenstein auf des Komponisten Weg vom Opern- zum Oratorien-"Unternehmer", erklingt hier erstmals auf CD in der 1735er "Londoner Version". Wichtigste Unterschiede zur Frühfassung sind einige Einlagenummern in italienischer Sprache (das Werk ist ansonsten englischsprachig), die Händel für den Kastraten Carestini komponierte, sowie ein viersätziges Orgelkonzert kurz vor Schluss, dessen Finale in ein chorisches "Alleluja" mündet. Ob diese eher hetero- denn homogenisierenden Zusätze bei einer CD-Produktion Sinn ergeben, sei hier nicht diskutiert – zumal sie nicht das eigentliche Problem dieser Einspielung sind. Als problematischer erweist sich, dass der Altus Lawrence Zazzo, der als Joad eine der umfangreichsten Partien zu bestreiten hat, deutlich hörbar mit stimmlichen Problemen kämpft. Seine Stimme klingt matter als noch vor kurzer Zeit, und er intoniert häufig zu tief. Ein höchst bedauerlicher Umstand, der hoffentlich nicht Auswirkung einer grundlegenden Krise des Sängers ist. Brillant präsentiert sich dagegen der unverwüstliche Tenor Charles Daniels als Mathan. Einige Abstriche wiederum muss man bei Nuria Rial machen, die sich überraschenderweise mal in voller körperverbundener stimmlicher Blüte, mal etwas blässlich besonders in der hohen Lage zeigt. Kurzum: Eine leider eher durchwachsene Sängerbesetzung, die die imaginäre Bühne dieser Aufnahme betritt, nachdem das Kammerorchester Basel sich zum Einstieg mit einer Ouvertüre und einer Gigue überaus vorteilhaft einführt, schmälert ein wenig die Freude an dieser so furios startenden Einspielung.

Michael Wersin, 25.09.2010



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