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Songs From Neverland

Joo Kraus, Tales In Tones-Trio

Content/Edel 0204502 CTT
(44 Min., 2010)

Was sollen Jazzer mit den Songs von Michael Jackson anfangen? Sie in Funk-Jazz überführen? Oder in die Fusion-Pfade lenken? Sie kraftvoll rocken lassen? Der Trompeter Joo Kraus, einst im Duo "Tab Two" ein Liebhaber von funky Linien und knackigen Rhythmen, entschied sich für die weiche Welle. Im Team mit dem Trio Tales in Tones, bestehend aus dem ausgebufften Arrangeur und Pianisten Ralf Schmid, dem Bassisten Veit Hübner und dem Schlagzeuger Torsten Krill, verwandelt er elf Jackson-Klassiker in heiteren Jazz mit Lounge-Elementen. Da wird "Beat It" zur feinsinnigen Bluesballade, in dem Michael Koschorreck die Band um stählern vibrierende Bottleneck-Gitarrensounds bereichert. "Thriller" kommt etwas erdiger daher, und "I Can’t Help It" und "Blame It on the Boogie" gewinnen Shuffle-Qualitäten. Gerade dadurch, dass Jackos Melodien in der völlig anderen Stilistik mindestens so schön wie in den Originalversionen wirken, fällt auf, wie großartig sie eigentlich sind. Das hatte in den Neunzigern auch Miles Davis erkannt, indem er "Human Nature" in sein Konzertrepertoire aufnahm. In "Earth Song" und anderen Stücken ist von Kraus ebenfalls eine mit Dämpfer abgekühlte, zudem elektronisch verfremdete Trompete zu hören – aber eben nicht immer. So setzt er beispielsweise in "Billie Jean" neben kühlen Elektro-Trompetensounds auch den warmen Naturklang eines Flügelhorns ein. Indem die Band souverän aus Michael Jacksons Stücken eigene Fassungen ableitet und sich dabei oft weit von den Originalen entfernt, zeigt sie ihre Hochachtung vor ihnen. Die auch tontechnisch brillant aufgenommenen "Songs from Neverland" sind eine sensible Hommage an den King of Pop.

Werner Stiefele, 25.09.2010



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