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Luigi Cherubini

Requiem in c (1816)

Hofkapelle Stuttgart, Kammerchor Stuttgart, Frieder Bernius

Carus/Note 1 CAR83.227
(46 Min., 5/2010)

Luigi Cherubinis "Requiem in c", jene Totenmesse, die Ludwig van Beethoven wunschgemäß bei seiner Totenfeier gespielt bekam, findet mit Frieder Bernius und seinen Stuttgarter Ensembles ideale Interpreten. Das kommt nicht von ungefähr: Dieses unter den Requiems des 19. Jahrhunderts vergleichsweise schlichte Werk benötigt zur optimalen Entfaltung seiner Schönheit einen hervorragenden Chor, denn es kommt ganz ohne vokalsolistische Zusatzreize aus. Damit unterscheidet es sich radikal etwa von Verdis "Requiem", das mit der Qualität der Sologesangsstars steht und fällt. Bei Cherubini ist Bernius in seinem Element: Mit der sicheren Hand des erfahrenen Chorklang-Designers mischt und lenkt er jene vokalen Honigströme, die Sätze wie den stellenweise beinahe liedhaft einfachen (und darum so schwer zu gestaltenden) Introitus oder das herzzerreißend schöne Graduale zum ungetrübten Hörerlebnis machen. Gleichzeitig fehlt es dem Ensemble nicht an gut fokussierter, zielgerichteter Durchschlagskraft, um in der Sequenz gegenüber den Klangmassen des (freilich ebenfalls höchst sorgsam geführten) Orchesters bestehen zu können. Freilich, der Chorklang gibt sich auch im kräftigeren Zugriff vibratofrei keusch, und das mag den einen oder anderen Hörer, der eine ältere Einspielung etwa im typisch deutschen Rundfunkchor-Sound der Siebziger- oder Achtzigerjahre im Schrank hat, zunächst irritieren: Klingt denn die Frühromantik nun auch schon so barock? Wir werden diese Frage niemals beantworten können – aber im Falle des vorliegenden Stückes lasse man sich von der Innerlichkeit und Intimität der Musik leiten: Fordert sie nicht eine Darbietung ganz ohne übermäßiges Pathos und oberflächliche Effekte? Wer dies bejahen kann, liegt mit Bernius Einspielung richtig – und wird auch die Ergänzung des Stücks um den zur Liturgie gehörigen (und von Cherubini nicht vertonten) Tractus begrüßen, der von Wilfried Rombach und seiner Schola Gregoriana Tübingen vorbildlich in gregorianischer Urgestalt beigesteuert wird.

Michael Wersin, 02.10.2010



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