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Mirror

Charles Lloyd-Quartet

ECM/Universal 274 0499
(73 Min., 12/2009)

Die Töne aus Charles Lloyds Alt- und Tenorsaxofon funkeln und blitzen, sie steigen in die Höhe, stürzen ab, schreiten voran, überschlagen sich, verharren, stehen, flirren, ächzen, greinen, jubilieren, locken, strahlen, tasten, bestätigen, und dabei wirken sie – je nach Situation – fest oder weich, verträumt oder bestimmend. Der 72-jährige Saxofonist hat mit "Mirror" ein Album eingespielt, in dem er alle Register seiner phänomenalen Fähigkeiten zur Tongestaltung zieht. Ein Drittel der zwölf Songs hat er selbst geschrieben, hinzu kommen mit "Go Down Moses", "La Llorona", "The Water Is Wide" und "Lift Every Voice and Sing" vier Traditionals, die Thelonious-Monk-Kompositionen "Monk’s Mood" und "Ruby, My Dear", "I Fall in Love So Easily" des Autorengespanns Sammy Cahn/Jule Styne und "Caroline, No" der Beach Boys, mit deren Mastermind Brian Wilson ihn eine seit den 1970ern gereifte Freundschaft verbindet. Mit dem Pianisten Jason Moran, dem Bassisten Reuben Rogers und dem Drummer Eric Hartland hat er eine Band neben sich, die seine in den gefühlvollen Soli empfindbaren Geschichten von Stärke und Zurückhaltung, Vorsicht und Mut, Kinderei und Ernst, Trauer und Glück traumwandlerisch sicher mitgestaltet, ihn unterstützt, wo es nötig ist und ihm andererseits auch ihre eigenen, starken Charaktere entgegensetzt. Jeder Ton und jeder Schlag hat Bedeutung, und so wirken die Stücke einerseits gefühlvoll und romantisch, andererseits hoch konzentriert. Als Fazit dieser auch von den Tontechnikern liebevoll gestalteten Scheibe bleibt nur ein schwärmerisches Adjektiv: wunderschön!

Werner Stiefele, 30.10.2010



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