Responsive image
Antonín Dvořák, Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 9 e-Moll, Sinfonie Nr. 35 D-Dur, Ouvertüre zu „Le nozze di Figaro“

K&K Philharmoniker, Matthias Georg Kendlinger

Da Capo/Klassik Center CD 982
(64 Min., 5/2010)

Wer sich so in den Mittelpunkt rückt, der muss entweder von aller Welt umjubelt oder von sich über die Maßen überzeugt sein. Oder ein eigenes CD-Label samt eigenem Orchester gründen, damit er sein Dirigat derart selbstbewusst zur Schau stellen kann. Nein, von André Rieu ist nicht die Rede, auch nicht von HvK. Aber von einem anderen Österreicher, dem Komponistennamen, wie seine CD-Cover zeigen, offensichtlich auch nur Beiwerk zur eigenen Marke sind. Nun wollen wir nicht weiter Karajan mit Kendlinger vergleichen, auch nicht die Berliner bzw. Wiener mit den K&K Philharmonikern, die der Selfmademan Matthias Georg Kendlinger seit 2002 sein Eigen nennt. Dafür gibt es dann doch einige Schludrigkeiten bei letzteren (gerade die Streicher dürfen noch weiter an ihrer Homogenität, die Bläser an ihrem Legatogesang arbeiten ...). Und ihr Tiroler Chef ist auch nicht der subtilste Klangausleuchter, geschweige denn Aufklärer von kunstvollen Stimmverläufen in den Schlachtrössern der Sinfonik. Auch entgleitet ihm gerade in den langsamen Sätzen mancher Spannungsfaden. So dass sich schon die Frage stellt: Wer braucht diese CD mit diesem Standard-Repertoire zum Hochpreis?
Gleichwohl ist nicht alles in Bausch und Bogen abzutun. Aus den Ecksätzen, bei Mozart wie Dvořák, schlägt Kendlinger reichlich Funken. Und da, wo Trompeten und Pauken vorgeschrieben sind, sind wahrlich auch genügend zu vernehmen. Überhaupt weiß der umtriebige Effektmusiker, der knallige wie auch der smarte, auf welche 'Stellen' es ankommt – und wie sie auszukosten sind. Der früher adornitisch als böhmischer Musikant abgekanzelte Dvořák verzeiht diese Vordergründigkeit mehr als Mozart. Aber das dürfte Kendlinger egal sein.

Christoph Braun, 30.10.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top