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Richard Strauss

Oboenkonzert op. 144, Serenade op. 7, Suite op. 4 für 13 Bläser

François Leleux, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Ensemble Paris-Bastille, Daniel Harding

Sony Classical 88697 74869-2
(57 Min., 2/2009, 6/2010)

"Ich halte diese zeitgenössische Tragik nicht aus. Ich will Freude bereiten, ich brauche sie". Was Richard Strauss 1924 bekundete, erhielt gut 20 Jahre später, in Zeiten der europäischen Apokalypse, einen geradezu erschreckend grotesken Beigeschmack. Als ihn im Sommer 1945 John de Lancie, ehemaliger Oboist des Pittsburgh Symphony Orchestra und jetziger Besatzungssoldat, in Garmisch bewundernd fragte, ob er einmal daran gedacht habe, ein Oboenkonzert zu schreiben, winkte Strauss nur unwirsch ab – um dann bald darauf an die Arbeit zu gehen. Mit dem Ergebnis entzog sich der tief depressive, den Untergang seiner alten europäischen Kultur Beklagende radikal der "äußeren" Realität – auf eine mozärtlich-unbekümmerte Art, die man, gelinde gesagt, unzeitgemäß nennen könnte. Längst lassen wir heute die Zeitumstände des Opus außen vor, genießen vielmehr dessen „sanft rauschhafte Altersmagie“ (J. Kaiser). Mit welchen klangfarblichen Subtilitäten diese aufwartet, mit welcher Raffinesse Strauss die elegischen Zwischentöne in immer walzerseligere Gefilde überführt, das macht der in München tätige Meisteroboist François Leleux auf betörende Art deutlich. Hell und grazil ist sein Ton, luftig-leicht seine Girlanden. Kammermusikalisch schwerelos, von Daniel Harding bis ins Letzte ausgehorcht, gesellen sich seine schwedischen Partner hinzu. Die 12 Pariser Bläserkollegen zeigen da in den beiden Jugendwerken – romantisierende kontrapunktische Gesellenstücke – den herzhafteren, aber nicht minder homogenen Zugriff. Auch dies ein Konzertieren im schönsten Sinne, wie es sich der 18- bzw. 81-jährige Strauss nicht reiner hätte erträumen können.

Christoph Braun, 30.10.2010



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