Wenn eine CD mit Mahlers Rheinlegendchen ("Bald gras‘ ich am Neckar") und Brahms‘ "Vor dem Fenster" beginnt, dann ist schnell klar: An dieser Volkslieder-Sammlung finden schwarzbraune Ewiggestrige oder andere tumbe Stammtischler keinen Gefallen. Zwar kennt die zweite Folge der von Daniela Majer konzipierten, erneut mit Paul Hey-Illustrationen üppig und geschmackvoll aufbereiteten sowie klug kommentierten Anthologie auch explizite, anonym überlieferte 'Volksweisen'; überwiegend aber kommt der Hörer in den Genuss jener Kunstlied-Gattung, deren Volkstümlichkeit eine hochkonzentrierte Einfachheit zugrunde liegt und deren – mitunter ironisch gebrochene – Melancholie allem 'Volkstümelnden' fremd ist. Meister darin war bekanntlich Brahms, der nicht nur mit seinen Wiegenliedern in jedem Kinderzimmer bekannt ist bzw. sein sollte. Sein "Wach auf, meines Herzens Schöne" oder "Es steht ein Lind" wiederum geleiten den Hörer auf denkbar innige und wehmütige Art in romantische Gefilde. Christian Gerhaher, Maximilian Schmitt und Christiane Karg mit ihren Partnern Helmut Deutsch, Gerold Huber und Eric Schneider sind kongeniale Begleiter auf dieser Sehnsuchtsreise. Den schwierigen Grat zwischen schlichtem, ungekünsteltem, vibratoarmem Timbre und einfühlsamer Textgestaltung meistern nicht alle Kolleginnen und Kollegen derart stilsicher. In der Frauenriege markiert da leider Christiane Oelze den negativen Gegenpol, stimmlich wie gestalterisch. Das sollte jedoch den Romantik-Liebhaber, und nicht nur diesen, keinesfalls daran hindern, sich dieses Lied-Juwel in den Plattenschrank zu stellen. Zumal auch wieder die Windsbacher Knaben und Annette Daschs Pfadfinderinnen mitwirken.

Christoph Braun, 06.11.2010



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