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Michael Praetorius, Antoine Boesset, Pierre Guédron u.a.

Et la fleur vole – Airs à danser & Airs de cour

Annie Dufresne, Les Musiciens de Saint-Julien, François Lazarevitch

Alpha/Note 1 ALP 167
(66 Min., 4/2010)

Sage und schreibe fünf Jahrhunderte alt sind die Airs de cour, die das französische Alte-Musik-Ensemble Les Musiciens de Saint-Julien samt der Wundersopransirene Annie Dufresne in sein Programm mit Liedern und Tanzstücken eingestreut hat. Doch der Zahn der Zeit konnte diesen kleinen vokalen Edelsteinen nichts anhaben. Man höre sich nur die traumhaft in sich ruhende Liebeshymne "Je voudrais bien à Chloris" von Antoine Boesset an. Oder das wundersam abgedunkelte Lamento "Sortés soupirs témoins de mon martire" eines gewissen Gabriel Bataille. Wie Annie Dufresne hier wie dort die Musik in einen einzigen Schwebezustand bringt, um sie dem Himmel näherzubringen, versetzt einen in pure Glückseligkeit.
Um das 16. Jahrhundert herum lauschte man in den aristokratischen Zirkeln Frankreichs aber eben nicht nur solchen einstimmigen, für die Ewigkeit gedachten Liedern. Zugleich gab man sich inner- und außerhalb des Pariser Louvre oder im ehemaligen Machtzentrum zu Blois dem kurzweiligen Vergnügen und damit auch dem Tanz hin. Eine kleine Enzyklopädie von Tänzen, wie sie damals en vogue waren, haben nun die Musiker an den Gamben, Theorben, Traversflöten und Sackpfeifen namens Musette eingespielt. Und ob es nun die Passepieds, Gaillards, Branles und Spagnolettas waren, die man zum Teil auch in Michael Praetorius` Konvolut "Terpsichore" entdeckte – eingerostet sind all die Rhythmen nun wirklich nicht. Ganz im Gegenteil.

Guido Fischer, 13.11.2010



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