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Wilhelm Friedemann Bach

Claviermusik I

Léon Berben

Carus/Note 1 CAR 83.346
(68 Min., 1/2010)

Man kann das Eröffnungsstück von Léon Berbens Gesamteinspielung des Klavierwerks von Wilhelm Friedemann Bach durchaus programmatisch verstehen: Mit der verblüffend direkt an die D-Dur-Partita des Vaters angelehnten Es-Dur-Ouvertüre macht der ehemalige Cembalist der Musica Antiqua klar, dass die Musik Johann Sebastians der Ausgangspunkt für seine Erkundung Wilhelm Friedemanns ist. Damit liefert Berben den Gegenpol zum (leider bislang nach der ersten Folge steckengebliebenen) Wilhelm-Friedemann-Projekt, das Robert Hill vor drei Jahren bei Naxos begonnen hatte: Hill hatte mit den schon stark rokokohaften Polonaisen begonnen und sie auf dem Hammerklavier ganz nach Art der späten freien Charakterstücke Carl Philipp Emanuels interpretiert. Berben wählt mit dem Cembalo das konservativere Instrument, nimmt sich weniger rhetorische Freiheiten heraus und lässt die Formgerüste der einzelnen Sätze stärker hervortreten. Das ist natürlich völlig legitim, zumal das zwischen den Zeiten Stehende Wilhelm Friedemanns in Werken wie der D-Dur-Sonate klar herauskommt: Bei Berben klingt das Stück, als ob der älteste Bach-Sohn zwar modern und elegant schreiben möchte, die Musik (vor allem im Mittelsatz) ihm aber quasi unter den Händen in spätbarocke Kontrapunktik verwuchert. Und vielleicht war’s ja auch wirklich so.

Jörg Königsdorf, 13.11.2010



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