Im Vergleich zu Zelenka ist vieles Schall und Rauch. Ich persönlich halte im Vergleich mit Zelenkas Messen sogar das meiste von dem, was Mozart nur etwa dreißig Jahre später an Sakralmusik für seinen Salzburger Fürsterzbischof verfasste, für einen bloß blassen Abklatsch dessen, was Zelenka zum Ordinarium missae musikalisch gesagt hat.
Dabei bedarf es eigentlich keiner Argumente, um diese Behauptung zu untermauern. Wer diese Einspielung der Ende 1740 vollendeten Missa Dei Patris hört (die anderen beiden späten Messen Zelenkas haben Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart bereits eingespielt), der dürfte sich begeistern und wird wohl kaum umhinkönnen, dem chromatischen Sog etwa des "Crucifixus" zu verfallen und staunend zu bewundern, mit welchem motivischen Beziehungsreichtum und welch finten- und trugschlussreicher harmonischer Finesse der böhmische Komponist die Konventionen der Messvertonung bereichert und teilweise auch auf kreative Weise unterminiert hat. Dabei ist Zelenkas Deutung von tiefer Religiosität geprägt.
Bernius' Ensembles gestalten mit Präzision und Dezenz den kompositorischen und geistig-geistlichen Kosmos der Partitur. Die CD hätte es verdient, in jeder Sammlung ganz weit vorne zu stehen.

Susanne Benda, 01.02.2001



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