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Francesco Maria Veracini

Violinsonaten

Riccardo Minasi, Musica Antiqua Roma

deutsche harmonia mundi/Sony 88697 705302
(72 Min., 3/2008)

War es ein Mordversuch eifersüchtiger Kollegen oder ein Anfall von Wahnsinn, der den Geiger Francesco Maria Veracini (1690-1768) dazu veranlasste, sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere zwei Stock tief aus dem Fenster zu stürzen? Wir werden es nie genau wissen, doch eines steht fest: Es war gutes Marketing. Dabei ist Veracinis Musik nicht nur wegen der durchaus auch auf die Werke abfärbenden Extravaganz des Komponisten spannend, sondern auch wegen der höchst ausgefeilten Kompositionstechnik, die den zweiten Pol seiner gespaltenen Persönlichkeit ausmacht. Es ist nicht leicht, diese widerstrebenden Seiten musikalisch zusammenzudenken, doch Riccardo Minasi gelingt genau dies. Sein Geigenton kann klar und voll sein wie jener, den man Veracini zuschreibt. Damit verleiht er virtuosem Passagenwerk und komponierten wie improvisierten Verzierungen gesunde Präsenz und Klarheit und eingestreuten pastoralen Passagen rotbäckige Frische. Minasi kann aber auch völlig ungezwungen bis ins zart Singende und Sprechende, ja sogar ins Grübelnde und intellektuell Spekulierende fallen und großen Ausdruck in unscheinbare Seufzerfiguren legen, die sich bei ihm wie unwillkürlich aus tiefbeklemmter Brust Luft machen. Weniger aggressiv als Reinhard Goebels legendäre Einspielung der Ouvertürensuiten und sogar noch differenzierter als John Holloways Auswahl von Violinsonaten ist dieses Album daher das bisher beste Portrait des geigenden Komponisten. Dass die CD zudem noch zwei bisher nicht eingespielte Violinsonaten Veracinis enthält und dass der begleitende Generalbass mit Erzlaute, darm- und metallsaitenbespannten Cembali, Harfe und Cello ebenso farbig wie geschmackvoll besetzt ist, macht das Glück dieser Einspielung vollkommen.

Carsten Niemann, 04.12.2010



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