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Diverse

Ein barockes Festkonzert in der Frauenkirche

Blechbläserensemble Ludwig Güttler, Semper Brass

Berlin Classics/Edel 0300174BC
(56 Min., 12/2000)

Wer Blechbläserklänge liebt und sich nicht ausschließlich auf historisches Instrumentarium spezialisiert hat, der wird seine Freude an dieser besonderen Weihnachts-CD finden: Knapp 60 Minuten werfen zwei hochkarätige Ensembles mit gleißend heller und voluminös fundierter Prachtfülle nur so um sich. Dabei gelangt bei weitem nicht nur genuine Blechbläsermusik zur Ausführung, sondern es wird auch Chorrepertoire wie Johann Eccards "Übers Gebirg Maria ging", eine Choral-Auswahl aus Bachs Weihnachtsoratorium oder Samuel Scheidts Motette "In dulci jubilo" und manch Ähnliches mehr vereinnahmt. Dass hinter den Titeln, wie sehr sie auch nach ursprünglicher Vokalmusik klingen sollten, lapidar stets "…für Blechbläser" vermerkt ist, sei mit einem Augenzwinkern hingenommen. Es handelt sich eben auch in dieser Hinsicht nicht um ein musikwissenschaftlich minutiös ausgelotetes Programm.
Entstanden sind diese Aufnahmen im Jahr 2000. Es handelt sich um eines der sog. "Paukenschlagkonzerte", mit denen in jenem Jahr ein wichtiger Meilenstein beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gefeiert wurde: Erstmals stand ein Teil des Raumes geschlossen zur Verfügung; 1.200 Gäste lauschten den Konzerten dieser Reihe im Dezember 2000, deren Erlöse in den Wiederaufbau flossen. Freilich sorgt die Live-Situation der Aufnahme für kleine Einschränkungen: Womöglich ist es der bitteren Kälte zuzuschreiben, dass es in Sachen Intonation nicht immer ganz sauber zugeht. Und dennoch beeindruckt dieses Konzert gerade auch vor dem Hintergrund seines Anlasses. In der Mitte des Programms und am Ende vereinigen sich beide Ensembles zu voller zwanzigstimmiger Größe: Es erklingen u. a. eine Canzon von Giovanni Gabrieli und ein Choralkonzert von Michael Praetorius – wahrhaft spektakuläre Passagen gibt es hier zu erleben. Wie gesagt: Historisch ist an diesem Programm gar nichts, Puristen würden die Nase rümpfen. Aber recht schön ist es eben doch.

Michael Wersin, 11.12.2010



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