Deutschlands virtuoseste Koloraturschleuder hat wieder zugeschlagen: Nach ihrem hinreißenden Album "Lava" im vergangenen Jahr, präsentiert sich Simone Kermes auf "Colori d'amore" nicht minder spektakulär. Waren es bei "Lava" neapolitanische Arien aus den 1730er Jahren, sind die Stücke von Scarlatti, Caldara und den Bononcini-Brüdern auf ihrer neuen CD im Durchschnitt 20 Jahre älter. Und auch mit diesem Programm macht Simone Kermes unmissverständlich klar, dass sie in diesem Repertoire keine Konkurrenz hat. Die horrenden technischen Schwierigkeiten scheinen ihr überhaupt erst den nötigen Kick zu geben, um zu Höchstleistungen aufzulaufen. Und wenn sie erst einmal in Fahrt ist, spielt sie mit den Aberwitzigkeiten der Komponisten und setzt noch einen drauf. Ob endlose Koloraturketten, Staccati-Attacken, riesige Intervallsprünge, interpolierte Spitzentöne (an denen sie dann auch noch ihre unglaubliche Messa di voce demonstriert) – nichts scheint eine wirkliche Herausforderung für sie zu sein. Doch damit nicht genug. Die lyrischen und getragenen Arien gestaltet sie mit einer Innigkeit und Hingabe, die zutiefst berühren und bei einer feuerspeienden Tigerin wie ihr doppelt verblüffen. Claudio Osele ist mit seinem – übrigens auf 440 Hz gestimmten! – Ensemble Le Musiche Nove der perfekte Partner für die Sopranistin, die mit den 13 Ersteinspielungen auf "Colori d'amore" (nur eine einzige der Arien wurde schon einmal aufgenommen) ganz nebenbei auch noch unsere Repertoirekenntnisse erweitert.

Michael Blümke, 11.12.2010



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