Eigentlich hatte sie ihr Debüt in der Titelrolle erst 2012 in Wien geplant, doch dann ist Linda Watson kurzfristig in die aus München entliehene "Elektra"-Produktion von Herbert Wernicke in Baden-Baden eingesprungen. Und man kann nicht anders, als der Sängerin größten Respekt zu zollen: Sie ist eine wirklich beeindruckende und durchweg überzeugende Interpretin, die diese Mörderpartie souverän meistert. Die Stimme ist groß und bis zum Ende durchschlagskräftig, wird aber stets dynamisch gut abgestuft; nur an der Textverständlichkeit sollte Linda Watson noch arbeiten. Ihre Landsmännin Jane Henschel bietet als Klytämnestra den richtigen Gegenpol zu ihr, um die Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter packend über die fast leere Bühne zu bringen. Da hat es Manuela Uhl als Chrysothemis trotz sehr guter vokaler Leistung darstellerisch schwer, neben diesen beiden Larger-than-life-Partnerinnen zu bestehen. Albert Dohmen ist ein stimmlich zwar sicherer, aber fast zu reifer, nicht ausreichend geschmeidiger Orest, für die Minipartie des Aegisth wurde René Kollo verpflichtet. Am Pult der hervorragend spielenden Münchner Philharmoniker sorgt Christian Thielemann für eine exzellente, immer auch auf die Sänger Rücksicht nehmende Umsetzung der Partitur. Hätten die Tontechniker die Gesangsstimmen gleichmäßiger eingefangen – das Opernglück wäre perfekt.

Michael Blümke, 18.12.2010



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