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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzerte Nr. 3 & 4

Leif Ove Andsnes, London Symphony Orchestra, Antonio Pappano

EMI 640 516-2
(67 Min., 3/2009, 4 & 5/2010)

Das war überfällig. Nachdem zahllose Pianisten Rachmaninows drittes Klavierkonzert in erster Linie benutzt haben, um neue Virtuosenrekorde aufzustellen, traut sich endlich mal jemand, das Werk so zu spielen wie der Komponist selbst: Mit leichtem, unsentimentalen Ton und einer Durchsichtigkeit, die die sonst meist in Tastendonner und Pedal ertränkte musikalische Substanz von "Rach Drei" in den Fokus rückt. Dass er dieses Konzert so gut spielen kann wie kaum jemand sonst, hatte Leif OveHamelins, mit de Andsnes schon vor 15 Jahren in seiner ersten Aufnahme des Stücks bewiesen. Bei seiner Neuaufnahme geht es dem inzwischen 40-Jährigen um mehr, ist die Virtuosität für ihn immer nur Mittel zum Zweck. Spielerisch, federleicht klingt sein Rachmaninow vor allem, weil der Norweger die Musik beständig in einem dialogischen Schwebezustand zwischen rechter und linker Hand hält. Man spürt, wie er diese Musik bis in den letzten Winkel durchdacht hat: Andsnes gelingt eine perfekte Balance zwischen den großen Energielinien, die selbst noch in den dichtesten Passagen wie der großen Kadenz im ersten Satz klar durchscheinen, und den Details, die bei Andsnes eine geradezu spontane Lebendigkeit gewinnen. Antonio Pappano und das London Symphony Orchestra sind ideale Partner, die sich Andsnes’ feinsinniger, quecksilbriger Rachmaninow-Sicht anpassen, statt ihren Lautstärkevorteil auszuspielen. Aus dem gleichen Geist, wenn auch mit einer Prise mehr Glamour, gerät auch das vierte Klavierkonzert zur Referenzaufnahme. Rachmaninow wäre zufrieden gewesen.

Jörg Königsdorf, 18.12.2010



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