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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Zweimal Verdi-Requiem live, einmal aus London 1983, einmal aus Chicago 2009. Beide Mitschnitte sprechen den Zuhörer direkt an, übertragen die Live-Atmosphäre sehr überzeugend. Riccardo Muti lässt sich sieben Minuten mehr Zeit als Jesús López Cobos, es wirkt mitunter, als wolle er partout jede Opernnähe vermeiden und zelebriere deshalb manche Passagen ein bisschen über Gebühr. Da er dennoch die Dramatik nicht aus den Ohren verliert, fällt das insgesamt aber nicht allzu sehr ins Gewicht. Zumal er die noch besseren Solisten aufbieten kann. Barbara Frittoli ist nach wie vor eine exzellente Verdi-Sängerin, auch wenn ihr Vibrato etwas weiter geworden ist. Das Londoner Vokalquartett wird von Margaret Price angeführt, die ihre himmlischen Piani vorführt, doch durchaus auch dramatisch zupacken kann; lediglich die Fortehöhen fransen ihr gelegentlich etwas aus. Olga Borodinas saftiger Mezzo ist der unsteten Stimme von Livia Budai weit überlegen. Mit Mario Zeffiri hat sich Muti für einen eher lyrischen und geschmeidigen Tenor entschieden, bei López Cobos zeigt Giuseppe Giacomini einen sehr sicheren, eher heldentenoralen Zugang. Ein sehr hohes Niveau weisen auch die beiden Bässe auf: Ildar Abdrazakov verfügt über einen etwas weicheren Bass als Robert Lloyd, der dafür mit mehr Autorität punkten kann. Gerechterweise muss abschließend erwähnt werden, dass die Londoner Version an einem einzigen Abend mitgeschnitten wurde, während man für die Produktion aus Chicago auf das Material von drei Abenden zurückgreifen konnte.

López Cobos/London 3 Punkte
Muti/Chicago 4 Punkte

Michael Blümke, 18.12.2010



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