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Geenius Monday

Gee Hye Lee

HGBS/Fenn HGBS 20014
(77 Min., 8 & 9/2010)

Mit dem Wunder der S-21-Schlichtung als Stuttgarter Modell ist sie ins öffentliche Bewusstsein gedrungen, diese spezifisch unaufgeregte und dafür umso effizientere Hipness der Spätzlemetropole. Und so erstaunt es letztlich nicht, dass es in dieser Stadt und ihrer Region eine Vielzahl von knitzen Hipstern gibt, sprich von ausgezeichneten Jazzmusikerinnen und -musikern, die mit ihrer Reife und stilistischen Vielfalt in der allerersten Liga mitspielen. Ihr Modell ist "Rogers Kiste". Das ist Stuttgarts sortenreiner Jazzclub, und als Mittler fungiert dort eine fulminante Pianistin und Keyboarderin aus Seoul mit dem Namen Gee Hye Lee. Aus dem Pool der Jazzschaffenden der Region stellt sie jeden Montag ein immer wieder aufs Neue spannendes Bandprojekt zusammen. Das MPS-Nachfolgelabel HGBS hat der jungen Frau jetzt die Gelegenheit geboten, ihre unterschiedlichen Projekte auf einer vorbildlich produzierten und ausgestatteten CD vorzustellen. Mit 37 Musikerinnen und Musiker hat sie 14 unterschiedliche Combo-Tracks gestaltet. Dabei ist kein samplerhafter Musterkatalog entstanden, sondern die Werkschau einer herausragenden Instrumentalistin und Gestalterin und gleichzeitig die einer faszinierenden Szene. Der gemeinsame Nenner ist das, was Thomas Staiber in seinen Linernotes treffend und unter geschickter Vermeidung des Begriffs 'moderner Mainstream' als den "lebendigen Strom des modernen Jazz" bezeichnet, in dem sich Gee Hye Lee "wie ein Delphin" bewege. Ihre solistische Verve, kongeniale Begleitung und diskrete Leadership erinnern an Cedar Walton, ihre Voicings mitunter an McCoy Tyner. Dabei hat sie keine Berührungsängste, auch mal innig mit Clubsounds zu flirten oder brasilianisch zu tanzen. Einige Alt-Cracks wie der Flügelhornist Herbert Joos sind mit von der Partie, doch es sind die Musikerinnen und Musiker der jungen und mittleren Generation, die im Vordergrund stehen; begnadete Sängerinnen sind darunter und mitreißende Instrumentalisten. Beeindruckender hätte der Einstand der koreanischen Schwäbin kaum ausfallen können – ob allerdings tatsächlich ein Genius wie in dem sperrigen Albumtitel bemüht werden muss, wird ihre weitere Entwicklung zeigen.

Thomas Fitterling, 18.12.2010



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