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George Gershwin

Rhapsody In Blue, Concerto In F

Stefano Bollani, Gewandhausorchester, Riccardo Chailly

Decca/Universal 476 3922
(74 Min., 1/2010)

Hinein ins pralle Leben. Dort, wo Klassik und Jazz nicht kollidieren, sondern Hand in Hand sich auf Eroberungszüge machen. Der Flügel muss aufgeregt scheppern und lässig swingen. Und das Orchester muss mit blitzender Akkuratesse und perkussiver Schlagkraft dazwischenfahren. Ob nun in Gershwins "Rhapsody in Blue" oder erst recht in seinem Klavierkonzert in F. Wie man dabei durchaus gehörig aus der Haut fahren kann, haben schon vor einer halben Ewigkeit solche Dream-Teams wie Earl Wild/Arthur Fiedler oder Julius Katchen/Paolo Mantovani in die Schallplatten geritzt.
Wie sich andererseits das jazzoide Flair auch leicht filtern lässt, um die einzelnen Stellschrauben dieser hochdifferenzierten Partituren ins grelle Scheinwerferlicht zu rücken, zeigt nun ein italienisches Doppel samt Leipziger Musikanten. Und so treibt Riccardo Chailly sein Gewandhausorchester zu makellosen Bravour-Akten an. Während sein Landsmann Stefano Bollani als ausgewiesener Jazz-Pianist sich auch dann brillant treffsicher zeigt, wenn die Oktaven einem nur so um die Ohren fliegen. Bei aller verblüffenden Perfektion und trotz des ungemein engagiert ausgefahrenen Elans vermisst man bei dem Konzertmitschnitt aus dem Leipziger Gewandhaus aber hier und da dann doch das wilde Music-Hall-Treiben. Da hat der schnoddrige Jazz-Ton unterm Strich eine vielleicht allzu sachliche Schlagseite, bei der man weniger an Gershwin als vielmehr an Kurt Weill denken muss.

Guido Fischer, 08.01.2011



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