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Journeys

Cyrus Chestnut-Trio

Jazz Legacy/Codaex JLP 1001011
(59 Min., 5/2010)

Er möchte "Melodien konstruieren, die Geschichten erzählen", stellt Cyrus Chestnut auf seiner Homepage fest, und dass er dies kann, unterstreicht er auf "Journeys" mit einer Coverversion des "Lover" von Rodgers & Hart und neun Eigenkompositionen. Schon auf seinen früheren Alben hatte er die Balance zwischen plüschigen Verzierungen und geradliniger Fortentwicklung zu wahren gewusst. Dies gelingt ihm auch mit seinem aktuellen Trio, in dem er mit dem spannungsvoll den Beat umspielenden Bassisten Dezron Douglas und dem filigranen, ähnlich gerne wie Chestnut in Verzierungen schwelgenden Schlagzeuger Neal Smith adäquate Partner gefunden hat. Geschickt bereiten sie Rhythmuswechsel vor, und völlig selbstverständlich wirkt, wie sie zwischen dichten Tontrauben und klaren, schlanken Passagen umschalten. Dabei schimmert in Chestnuts Spiel immer wieder sein Faible für den Gospel durch, während er auf der anderen Seite auch Einflüsse der gesamten Traditionslinie des Jazzpianos von Earl Hines über Wynton Kelly und Bud Powell bis zu Oscar Peterson und Herbie Hancock aufgenommen hat. Nachdem der Hype der Major-Companies um den swingenden Jazz passé ist, wich Chestnut wie viele Musiker, die vor zehn Jahren als Hoffnungsträger für den swingenden Jazz gefeiert wurden, auf Kleinlabel aus. Mit einer frechen Anspielung auf Columbias Jazz-Legacy-Reihe nannte John Lee, vor mehr als 30 Jahren Fusion-Bassist, danach Bandmitglied bei Dizzy Gillespie, sein 2009 gegründetes Label Jazz Legacy Productions. Es bietet Chestnut und anderen Vertretern des swingenden Mainstream eine neue Heimat.

Werner Stiefele, 22.01.2011



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