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Domenico Scarlatti

18 Sonaten

Alexandre Tharaud

Virgin/EMI 50999 64201603
(71 Min., 9/2010)

Wer Alexandre Tharaud in den letzten Jahren live mit Scarlatti gehört hat, wird seitdem darauf hoffen, ihn mit diesem Repertoire auch auf CD genießen zu können. Jetzt ist es soweit, seine neue Plattenfirma erfüllt uns den Wunsch – nach Chopin zum Gedenkjahr also Domenico Scarlatti.
Der Jahrgangsgenosse von Händel und Bach war bekanntlich ein leidenschaftlicher Spieler. Seine Schülerin und Brötchengeberin Maria Barbara, Infantin von Portugal und Gattin des späteren spanischen Königs Ferdinand VI., musste mehr als einmal seine Schulden begleichen. Erfreulicherweise war der Neapolitaner jedoch auch beim Komponieren ein Spieler. Scheinbar verfasste er nach seiner Übersiedelung auf die iberische Halbinsel 1719 für den Rest seines Lebens so gut wie ausschließlich Cembalosonaten. In Wirklichkeit schuf er mit diesen 555 Werken, die vor kurzem um einige neue Funde erweitert wurden und von denen keines als Manuskript, sondern lediglich in Kopie überliefert ist, ein ganzes Universum unterschiedlichster Stimmungen und Gefühlswelten. (Weshalb beispielsweise etwas 'strenger' daherkommende Sonaten des Programms wie K 472 oder auch K 8, die eigentlich absolut 'zeitgemäß' waren, ob Scarlattis sonstiger Experimentierlust und Modernität geradezu altmodisch wirken.)
Mit seiner rhythmischen Raffinesse und seinem delikaten Farbenreichtum darf Alexandre Tharaud als idealer Interpret dieser vielgestaltigen Kompositionen gelten. In K 141 lässt er mit seinem Yamaha förmlich die Kastagnetten erklingen, das leicht perlende K 431 gleicht einem Schluck Champagner, K 132 gestaltet er als Gesangsstück, in dem er sich kaum merkliche agogische Freiheiten nimmt und damit wie ein Sänger phrasiert. In K 72 und K 29 schließlich zeigt der 42-jährige Franzose wie überaus beweglich seine Finger sind: Auch wenn er seine Virtuosität nie ausstellt, spielt er auch diesbezüglich in der obersten Liga.

Michael Blümke, 05.02.2011



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