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Johann Sebastian Bach

Partiten für Violine solo

Midori Seiler

Berlin Classics/Edel 0016722BC
(79 Min., 11/2009)

Rauer im Ton als Monica Huggett, ruppiger im Vortragsstil als Sigiswald Kuijken geht Midori Seiler Bachs "Partiten für Violine solo" an. Keine gemütliche, ausgeglichene Interpretation liefert sie, sondern eine aufgewühlte und kantige. Technisch auf sehr hohem Niveau agierend, erweitert sie auf ihre Weise Bachs einerseits so karge, andererseits in ihrer freiwilligen Selbstbeschränkung so reiche Stücke um eine Dimension: Sie gibt dem Hörer über weite Strecken nicht allzu viel Gelegenheit, sich meditativ in die Musik zu versenken und der latenten Harmonik, die die einstimmigen Kantilenen stets implizieren, nachzulauschen. Stattdessen fordert sie dazu heraus, das dramatische Potential dieser Musik mitzuvollziehen, so wie es sich aus der letztendlich zu völliger Unabhängigkeit befreienden Einstimmigkeit heraus ans Licht drängt. Ein gewagter Ansatz, virtuos, ohne Netz und doppelten Boden – atemberaubend und aufregend, wenn man sich als Hörer darauf einlässt und der bindenden Kraft eingefahrener Hörgewohnheiten abzuschwören bereit ist. Was hilft, ist die verwegene Schönheit des Tons, den sie ihrer Barockvioline entlockt – meistens völlig vibratofrei, dafür umso intensiver und dichter gerade durch seine Geradlinigkeit. Aufnahmen anderer Interpreten habe sie bei ihrer Vorbereitung für die Einspielung nicht gehört, gibt Frau Seiler im Beiheft-Interview zu Protokoll. Das glaubt man ihr gerne, denn ihre Version ist wirklich eine individuelle.

Michael Wersin, 12.02.2011



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