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Mistico mediterraneo

Paolo Fresu, A Filetta, Daniele di Bonaventura

ECM/Universal 274 5621
(57 Min., 1/2010)

Glücklicherweise verlassen Musiker immer wieder mal ihre angestammten Gefilde. Paolo Fresu, Trompeter und Flügelhornist, hat schon mehrmals – und erfolgreich – Jazz und mediterrane Musiktradition zusammengebracht, aber noch nie so radikal wie auf "Mistico Mediterraneo", einem – wenn man es grob betrachtet – Schwesterwerk zu Jan Garbareks Kooperationen mit dem Hilliard Ensemble. Obwohl sein Ton manchmal an den von Miles Davis erinnert und er seine improvisierten Melodien wie ein Jazzer formt, entsteht kein Zwitter aus mehreren Genres, sondern eine eigenständige, aus vielen Wurzeln genährte Musik. Fresus Partner sind die sieben Männerstimmen des korsischen Ensembles A Filetta sowie der Bandoneonspieler Daniele di Bonaventura. Archaisch mutet die Kooperation an, doch dieser Eindruck täuscht: Das älteste Stück entstammt den 1990ern. Einige von ihnen wurden von Bruno Coulais für Filme komponiert, andere schrieb Jean-Claude Acquaviva für ein Requiem und wiederum andere entstanden als Theatermusiken. Die Bearbeitungen für die CD-Produktion rücken die herrlich ausgebildeten Männerstimmen ins Zentrum und führen sie sensibel mit dem Klang von Trompete, Flügelhorn und Bandoneon zusammen. Instrumente und Gesang umgarnen sich, vereinen sich, lösen sich ab, so dass ständig neue Eindrücke entstehen. Dabei mutet die puristische Herangehensweise keinesfalls archaisch an; im Gegenteil greifen alle drei von Atem und bewegter Luft getragenen Klangelemente abwechslungsreich und ständig die Färbungen wechselnd ineinander. Die audiophile Aufnahme aus dem ArteSuono Studio in Udine lässt Stimmen und Instrumenten einen an Kirchenräume erinnernden Nachhall, wobei sie Schärfe und Melancholie der Trompete ebenso bewahrt wie feinste Nuancen von Stimmen und Bandoneon. So haben nicht nur die Liebhaber herrlicher Stimmen ihre Freude an den dreizehn Titeln, sondern auch die Freunde audiophiler Aufnahmen.

Werner Stiefele, 19.02.2011



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