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Johannes Brahms

Klavierkonzert Nr. 1 op. 15

Duo Tal & Groethuysen

Sony 88697 615322
(61 Min., 10/2009)

Wie die meisten Komponisten des 19. Jahrhunderts beugte sich auch Johannes Brahms den Usancen des Musikbetriebs und arrangierte etliche seiner sinfonischen und kammermusikalischen Werke für Klavier zu vier Händen. Zwar sollten diese abgespeckten Versionen in erster Linie die Verbreitung seiner Werke bis in die Provinz sichern und dem Verleger Geld bringen, doch besitzen sie, wie im Fall des "Deutschen Requiems", manchmal durchaus künstlerischen Eigenwert – ähnlich wie eine Zeichnung manchmal andere Dinge verrät als das aus ihr entstandene Ölgemälde. Im Fall des ersten Klavierkonzerts bleibt der Erkenntniswert allerdings gering: erstens, weil Brahms an der Verteilung der Musik zwischen Solostimme und Begleitung gegenüber dem Original so gut wie nichts änderte, und zweitens, weil Yaara Tal und Andreas Groethuysen keine Perspektive einbringen, die das Arrangement über den Status einer Notlösung hinaus interessant gemacht hätte. Möglichkeiten dazu hätte es immerhin gegeben: Durch einen lyrischeren, schlichteren Blick auf den langsamen Satz oder durch eine dialogisch verspielte Auflichtung des Finales. Doch mit einer lediglich ordentlichen, massiven Brahms-Interpretation ohne individuelle Akzente beweisen die beiden eigentlich nur, dass die Zeit dieser Bearbeitungen vorbei ist. Auch bei Brahms' Bearbeitung von zwanzig Schubert-Ländlern sieht das nicht anders aus: Der angedickte Ton der vierhändigen Fassung bedeutet lediglich einen Verlust an Leichtigkeit und Charme, der diese Musik erst eigentlich liebenswert macht. Das braucht kein Mensch.

Jörg Königsdorf, 12.03.2011



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