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Richard Wagner

Wagner (Opernszenen)

René Pape, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

DG/Universal 477 6617
(63 Min., 6/2010)

Er gilt als DER deutsche Bass unserer Tage, weshalb man die Latte hoch hängen und das Wagner-Album von René Pape entsprechend kritisch hören sollte. Der Dresdner zeichnet sich durch hervorragende Textverständlichkeit aus, überakzentuiert allerdings die Vokale, seine differenzierten dynamischen Abstufungen nehmen sehr für ihn ein. Pape verfügt über eine geschmeidige Stimme mit guter Höhe, er ist aber ein 'echter' Bass, kein Bassbariton (wie beispielsweise Bryn Terfel) – und damit hängen die meisten Einwände zusammen. In Bariton-Gefilden klingt er angespannt, wenn auch nicht angestrengt, die männlich-markante Farbtextur geht verloren. So liegt ihm Hans Sachs' Fliedermonolog besser als dessen Schlussansprache mit ihrer hohen Tessitura. Obwohl es sich bei Wolfram um eine Baritonpartie handelt, hinterlässt er mit dem geradezu zärtlich dargebrachten "Lied an den Abendstern" einen guten Eindruck.
Die einzige reine Bassrolle – neben einem kurzen Ausschnitt als König Heinrich – ist Gurnemanz, den Pape mit Autorität, Prägnanz und Würde gestaltet. Den Ausschnitten aus "Parsifal" fällt auch der größte Platz auf dieser CD zu, neben Gurnemanz' Szene aus dem 3. Akt findet sich auch der anschließende Dialog mit Parsifal. Hier freilich wäre uns Gaststar Plácido Domingo besser erspart geblieben: Sein Beitrag ist wie immer völlig unidiomatisch, ab der oberen Mittellage klingt der Tenor zudem übermäßig strapaziert. Hundertprozentig verlassen kann sich der Sänger dafür auf seine überaus kompetenten Begleiter, Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin.

Michael Blümke, 02.04.2011



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