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Skala

Mathias Eick

ECM/Universal 274 3228
(42 Min., 12/2009 und 1/2010)

Mit "Skala" legt der 31-jährige Norweger Mathias Eick sein zweites Album auf ECM vor. Es huldigt vom ersten bis zum letzten Ton dem Klangideal seines melancholischen Trompetenspiels, das sehr stark an den Kathedralen-Hallklang seines Instrumentenkollegen und Landsmanns Nils Petter Molvær erinnert; wobei hier in Eicks Spiel noch eine gewisse Färbung im Sinne eines Kenny Wheeler durchzuhören ist. "Skala" generiert eine fast schon als klischeehaft zu empfindende nordische Klanglandschaft. Trotz variierender Besetzungen verändert sich in ihr die Wetterlage kaum. Eicks wolkenverhangener Trompetensound ist eine Konstante, ebenso Andreas Ulvos dräuend Pattern repetierendes Klavier. Audun Erlien sorgt bis auf zwei Titel mit dem elektrischen Bass für satte Grundierung. Zwei Drummer teilen sich auf sieben der acht Songs abwechselnd oder gemeinsam die Arbeit; sie erhöhen so zwar durchaus auch mal poppig den Schalldruck – aber eben nicht den atmosphärischen Luftdruck. Ähnliches lässt sich auch über Morten Qvenilds zwei Einlassungen an den Keyboards oder des Leaders eigenen zusätzlich dazugemischten Beiträgen an Vibraphon, Kontrabass und E-Gitarre sagen. Erst in dem relativ kurzen Epilog reißt er den sonst omnipräsenten Wolkenvorhang auf. In zwei Gastauftritten zuvor hatte Tenorsaxophonist Tore Burnborg mit diskursiver Verve dem Wetterwechsel schon das Wort geredet. Dabei ist der Begriff Gastauftritt im Zusammenhang dieser Produktion etwas fragwürdig, ist dieses Album doch über längere Zeit an verschiedenen Orten ganz wie ein Pop-Produkt zusammengesetzt worden und somit sind die meisten Mitwirkenden gewissermaßen Gäste. Irgendwie ist auf diesem Produktionsweg das klassische Designer-Motto 'form follows function' hier in seine Umkehrung gewendet worden – zumindest wenn man 'function' mit musikalischem Inhalt gleichsetzt. Das soll nicht heißen, dass es nicht berückende Momente gäbe, wie etwa das vierminütige Trompeten-Klavier-Harfen-Trio; immer wieder blitzt auch die Sonne im Trompetenstrahl auf, doch vorherrschend ist der Eindruck sich selbst zelebrierenden Melancholie-Designs.

Thomas Fitterling, 09.04.2011



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