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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Dmitri Kabalewski

Die drei Klaviersonaten

Christoph Deluze

Praga Digitals/harmonia mundi PRD 250279
(58 Min., 7/2010)

Das Cover zeigt natürlich nicht Kabalewski, sondern Lenin. Der 1904 in St. Petersburg geborene, 1987 in Moskau verstorbene Komponist schrieb dem Revolutionär 1933, neun Jahre nach dessen Tod, noch ein Requiem. Auch als dreifacher Stalin-Preisträger und Mitorganisator des sowjetischen Musikapparats war er nicht eben ein 'bürgerlich-formalistisch' Geächteter wie Schostakowitsch. Kein Wunder, dass er im Westen – trotz seiner Fürsprecher Horowitz, Gilels und Oistrach – nur als Propagandamusiker gehandelt bzw. ignoriert wurde (und allenfalls als Klavierlehrer für Kinder bekannt war). Das ändert sich seit einigen Jahren. Der bei Cherkassky und Buchholz gereifte Christoph Deluze erweist sich dabei als einer von Kabalewskis eifrigsten Parteigängern. Nach seiner Gesamtaufnahme der Préludes bringt er nun beim französischen Label Praga Digitals (mit einem leider fehlerstrotzenden Booklet) die drei Klaviersonaten aus den Jahren 1927 und 1945/46 zu Gehör, und mit ihnen einen weiteren Beweis für Kabalewskis eigenwillige, ganz und gar nicht Schubladen-geeignete Kunstfertigkeit. Gewiss gibt es – im Sinn der 'offiziellen' Vorgabe – Eingängiges, wenn man so will: Volks-Verständliches, etwa den mozartverliebten Beginn der dritten oder auch die Maschinengewehrsalven und die triumphale Es-Dur-Apotheose der zweiten Sonate, die unter dem Eindruck des "großen vaterländischen Krieges" mitsamt seinen Nazi-Gräueln und Sowjet-Siegen entstand (wie überhaupt die beiden Kriegssonaten fasslicher gestrickt sind als die frühe, noch von Kabalewskis Lehrer Miaskowsky und Skriabin beeinflusste Sonate). Doch was an scharfkantiger Dissonanzen-Komplexität, polyphon-verschachtelter Linienführung und vertrackter Rhythmik vorherrscht, wird kaum den Beifall der Kulturapparatschiks gefunden haben. Souverän, wenn auch mitunter mit angezogener Handbremse, meistert Deluze diese sperrige Tour de force nicht nur bei Kabalewskis technischem Steckenpferd, dem quasi dreihändigen Spiel, in dem das Hauptthema abwechselnd in der linken und rechten Hand liegt, während gleichzeitig Bass und Diskant weiterlaufen. Noch 'beredter' wirken die plötzlichen Einblicke in ein fragiles, geradezu abgekapseltes Innenleben, das Deluze subtil zum Sprechen bringt. Und das weit mehr zeigt als einen linientreuen Kulturbolschewisten.

16.04.2011



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