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Claudio Monteverdi, Alessandro Grandi, Giacomo Carissimi

Songs To Mary (Marienmotetten)

Robert Crowe, Michael Eberth

Profil/Naxos PH10054
(79 Min., 2/2010)

Der Klang von Countertenören in Sopranlage ist nicht jedermanns Sache: Was dem einen als Triumph der Technik über die klassischen Stimmfächer oder gar als Abglanz der verlorenen Kunst der Kastraten gilt, das ist für den anderen auch im besten Falle nur eine nie völlig entspannt klingende Alternative zur hohen Frauenstimme. Wer zur erstgenannten Kategorie von Hörern zählt, wird diese Scheibe sehr mögen. Doch auch wer, wie der Rezensent, der zweiten Kategorie angehört, wird Robert Crowe die Achtung nicht versagen können. Sicher: Es gibt sie leider, die mit Überdruck hervorbrechenden Forti und Vibrati sowie jenen spröden Hautgout, der die Farbe der Soprancounter von Sopranistinnen und Knabensopranen unterscheidet. Doch Crowe hat dem Skeptiker eine Menge entgegenzusetzen. Zum einen mischt sich seine Stimme sehr vorteilhaft mit den frühbarocken Orgelregistern. Die Intonation ist klar, Verzierungen wie etwa der beliebte Trillo, bei dem ein Ton rasch repetiert wird, werden kontrolliert ausgeführt und in der Mittellage gelingen Crowe sehr subtile dynamische Differenzierungen. Vor allem aber trifft Crowe mit dem sinnlichen Ernst seines Vortrags den richtigen Ton für ein Programm, das die Grenze zwischen keuscher Marienverehrung und der Erotik des Hohelieds erkundet – wobei die Motetten von Alessandro Grandi und Giacomo Carissimi an dramatischer Kraft und Mannigfaltigkeit der Stimmungsschilderung denen Claudio Monteverdis in nichts nachstehen.

Carsten Niemann, 30.04.2011



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