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Franz Liszt

h-Moll-Sonate, Mephisto-Walzer Nr. 1, La lugubre gondola u.a.

Khatia Buniatishvili

Sony 88697 873852
(67 Min., 10/2010) mit Bonus-DVD

Hätte mir nicht ein hochgeschätzter Kollege von dieser jungen Pianistin vorgeschwärmt, ich hätte wohl wenig Lust verspürt, mich durch eine CD zu hören, die mit Liszts "Liebestraum" beginnt, darauf seine "h-Moll-Sonate" folgen lässt und das Ganze mit dem ersten "Mephisto-Walzer" sowie "La lugubre gondola" vervollständigt. Da vermutet man gleich eine weitere überflüssige Aufnahme – nicht nur im Liszt-Jahr. Weit gefehlt! Der Genussverlust wäre immens, würde man sich das Debütalbum von Khatia Buniatishvili entgehen lassen.
Die 23-jährige Georgierin ist ohne Zweifel einer der aufregendsten Neuzugänge unter den Weltklassepianisten seit Jahren. Ihr höchst individuelles Spiel ist enorm durchdacht, dabei stets von größter Leidenschaftlichkeit geprägt, hinreißend klangsinnlich und auf raffinierte Weise agogisch freizügig. Sie überwältigt, ohne auf plumpe Effekte zu setzen, ihre atemberaubende Virtuosität (sie verfügt auch über eine echte Pranke!) stellt sie ganz selbstverständlich in den Dienst der Sache.
Selbst ein tausend Mal gehörtes Werk wie die "h-Moll-Sonate" fasziniert bei dieser Klavierzauberin von der ersten bis zur letzten Note. Der "Liebestraum" wird unter ihren Händen zu purer Poesie. Beim "Mephisto-Walzer" meint man den Pferdefuß förmlich zu hören. Dieses Programm wird nicht vorgeführt, sondern intelligent dargeboten. Man horcht bei Khatia Buniatishvili immer wieder fasziniert auf – und wenn das bei einem der meisteingespielten Werke der Klavierliteratur gelingt, zeugt das von wahrem Künstlertum.

Michael Blümke, 14.05.2011



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