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Pierre Boulez, Isabel Mundry, Karlheinz Stockhausen

Spiegel Bilder, Klarinette (aus "Orchesterfinalisten"), Dialogue de l'ombre double

Tara Bouman (Klarinette), E. A. Buchholz (Akkordeon), Markus Stockhausen (Trompete)

Aktivraum 50101
(65 Min., 2002 (Deutschlandfunk)) 1 CD

Hellhörig im wahrsten Sinne des Wortes machen schon die ersten Töne dieser CD: Da passiert etwas, das spricht und geht uns an. Das fasziniert. Die Klarinettistin Tara Bouman ist persönlich. Sehr persönlich. Sie lädt die Töne mit Farben und Energien. Ihr Atem, ihr weiter Blick und ihre Offenheit lassen aus Material Musik werden. Poesie. Prosa. Fiktion. Technisch wird sie aufs Allerfeinste begleitet von einem Team, das die Möglichkeiten der stereophonen Abbildung auf CD in feinste Details auszunutzen versteht und damit Räumlichkeit erzielt.
Gemeinsam mit Edwin Alexander Buchholz (Akkordeon) lässt Tara Bouman Klangflächen vor unserem inneren Auge schweben, wie von Laserstrahlen als dreidimensionale Gebilde in den Raum gesetzt. Der "Dialog des doppelten Schattens" (Dialogue de l'hombre double) von Boulez gibt der im Titel angedeuteten phantastischen Idee Gestalt. Stockhausens "Klarinette" aus den "Orchesterfinalisten" aus "MITTWOCH AUS LICHT" wird zu einer Reise ins Ungewisse. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt in der Begegnung von Trompete (Markus Stockhausen) und Bassetthorn (Tara Bouman), denn Karlheinz Stockhausen legt seine "Mission und Himmelfahrt" in den Sternenhimmel - eine himmlische Begegnung ist diese instrumentale Version auch ohne den religiösen Überbau. Als freundliche Zugabe wirken die sieben Stimmungsbilder, die Markus Stockhausen für Tara Bouman geschrieben hat, von "energisch-männlich" bis "kindlich-heiter". Mit schönem Ton dieses Bassinstrumentes der Klarinettenfamilie schmeichelt Tara Bouman sich auch hier in unser Ohr.
Häufig kauft man sich eine CD als Erinnerung an ein Konzert, findet seinen Zugang nur, wenn man das Erlebnis des Konzertes hinzu assoziiert. Diese CD bringt die Musik dort zur Wirkung, wo man sie hört.

Margarete Zander, 17.01.2004



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