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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Johann Adolph Hasse

Requiem in C, Miserere in c

Dresdner Kammerchor, Dresdner Barockorchester, Hans-Christoph Rademann

Carus/Note 1 CAR83349
(70 Min., 9/2010)

Wer aufgrund des Stichworts Requiem an eine düster-melancholische Trauermusik nach Art der entsprechenden vokalpolyphonen Renaissance-Kompositionen oder an ein aufpeitschend dramatisches Szenario à la Giuseppe Verdi denkt, der muss bei Johann Adolph Hasses 1763 in Dresden komponiertem "Requiem in C" zunächst gründlich umhören: Schon die einleitende Marschmusik, die dem königlichen Rang des Adressaten der Messe, Friedrich August II., Rechnung trägt, verwundert auf den ersten Blick durch ihren wohl würdevollen, aber doch auch irgendwie recht diesseitigen Prunk. Und im weiteren Verlauf des Werks begegnen dem Hörer immer wieder einerseits eine opernhaft anklingende Eleganz, andererseits auch eine lapidare Nüchternheit, die beide nicht ohne weiteres mit der Vorstellung von einer Totenmesse in Einklang zu bringen sind.
Wie gesagt, umhören bzw. einhören ist notwendig. Allerdings macht Hans-Christoph Rademanns Interpretation genau das dem Hörer nicht immer ganz leicht. Rademann nutzt z. B. das unmittelbar sprechende chromatische Kreuzmotiv der "Christe"-Fuge nicht zu einer markanten dramaturgischen Profilierung dieses Abschnitts, wie dies etwa Paul Dombrecht in seiner Einspielung des Stücks (Opus 111) anstrebte, sondern lässt die fragliche Fuge mit recht sportlicher Leichtigkeit passieren. Eher nüchtern geht es auch in vielen der vokalsolistischen Abschnitte zu: Die bezwingende Dramatik der aufsteigenden Skala des Tenorsolisten bei "Mors stupebit et natura" – immerhin wird hier ja sehr bildhaft beschrieben, wie sich am Jüngsten Tag zum Staunen des Todes und der Natur die Verstorbenen erheben, um vor ihrem Richter Rechenschaft für ihr Leben abzulegen – wird in der vorliegenden Aufnahme vollkommen verschenkt (man vergleiche hier wieder mit Dombrechts Einspielung). Recht bieder und dadurch wenig fesselnd kommt kurz davor auch das Altsolo "Quantus tremor est futurus" daher, es irritiert hier zusätzlich eine unpassende Atem(not-)zäsur mitten im letzten Wort des Abschnitts.
Bei alledem ist das technische Niveau der Darbietung freilich keineswegs unbefriedigend. Vor allem der hervorragend homogene und wohlklingende Dresdner Kammerchor und das auf alten Instrumenten musizierende Dresdner Barockorchester erfreuen durchaus mit ihrer allgegenwärtigen Präzision und ihrer geschmeidigen Eleganz. Es bleibt nur der Eindruck, dass viele musikalische Besonderheiten, viele prägnante Momente des Werks auf hohem Niveau verpasst werden, wodurch Hasses Musik insgesamt vielleicht glatter, profaner, ja beiläufiger klingt als sie müsste (und sollte?)

Michael Wersin, 18.06.2011



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