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Johann Wilhelm Hertel

Con spirito (Concerti & sinfonie)

Sergio Azzolini, Capriccio Barockorchester, Dominik Kiefer

Tudor/Naxos TUD7182
(2/2010) 82 CDs

Vielleicht ein halbes Dutzend Aufnahmen mit seinen Werken ist derzeit erhältlich, keine üppige Ausbeute fürwahr. Von seinen Vokalwerken, für die er zu Lebzeiten besonders bekannt und geschätzt war, befindet sich keines darunter. Alle Einspielungen widmen sich seinem Instrumentaloeuvre, bei dem er gerne auch die weniger gängigen Instrumente in den Vordergrund stellte: Trompete, Harfe oder – wie im vorliegenden Fall – Fagott wurden von ihm mit Solokonzerten bedacht.
Er – das ist Johann Wilhelm Hertel, 1727 in Eisenach geboren und ab 1754 vorwiegend in Schwerin tätig, wo er 1789 auch starb. Als typischer Vertreter der Vorklassik pendelt er in seinem Schaffen zwischen empfindsamem Stil und "Sturm und Drang", in einigen langsamen Sätzen beweist er eine große kantable Innigkeit (so beispielsweise im "Con affetto"-Satz des Es-Dur-Fagottkonzertes). Seine Musik ist äußerst reiz- und effektvoll, zeichnet sich durch Kontrastreichtum und harmonische Vielfalt aus und weist einen raffinierten Orchesterpart von nicht unbeträchtlicher Virtuosität bei sehr abwechslungsreicher Besetzung auf.
Dankbares Material also für entdeckungsfreudige Künstler, die so ihr Publikum mit unbekanntem Repertoire von hohem kompositorischen Niveau verführen und begeistern können. Und das mit dem Verführen und Begeistern gelingt dem Barockorchester Capriccio Basel (die Stadt erweist sich mit ihrer Schola Cantorum einfach immer wieder als hervorragender Nährboden für Musiker) aufs vortrefflichste. Das selbstbewusste, beherzte, rhythmisch pointierte Spiel ohne 'italienische' Exzesse nimmt sofort für das Ensemble ein. Und Sergio Azzolini ist unter den Fagottisten ohnehin allererste Wahl.

Michael Blümke, 18.06.2011



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