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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 1 c-Moll "Linzer" (Urfassung 1865/66)

Simone Young, Philharmoniker Hamburg, Simone Young

Oehms/harmonia mundi OC 633
(49 Min., 1/2010)

Simone Young will Bruckners Wurzeln freilegen – in den Urfassungen der Sinfonien wie auch biografisch-chronologisch. Dabei stößt die Chefin der Hamburger Philharmoniker den Hörer auf das Paradox, dass die Umarbeitungen der sinfonischen Großtaten kaum 'Verbesserungen' wurden, als die der Komponist sie selbst bezeichnete. Gerade bei der Ersten. Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Entstehung 1865/66 modelte Bruckner sie kräftig um – aus eigenem Antrieb (wohl als Dankesgabe für die Wiener Doktorwürde), ohne die berühmt-berüchtigten Kürzungs- und Vereinfachungsratschläge der mehr oder minder wohlmeinenden Freunde. Nicht zu ihrem Vorteil. So spielt man seit jeher nicht die Wiener Spät-, sondern die Linzer Urfassung (im Unterschied zu den Nummern 2, 3, 4 und 8, bei denen man erst seit einigen Jahren die ursprüngliche Konzeption wertschätzt).
Zweifellos ist die Erste, wie jetzt an Youngs gewichtigem Zugriff zu hören ist, schon ein Bruckner-typisches Geschöpf. Das – vor allem harmonisch – "kecke Beserl" nimmt vor allem in den dräuend crescendierenden Passagen für sich ein. Hierin, im berühmten g-Moll-Scherzo und im "feurig bewegten" Finale zeigen auch die Hanseaten ihre Philharmoniker-Stärken. Wobei ihr Fortissimo allerdings mitunter gewaltsam und grobflächig wird. Auch reicht ihre rhythmische Präzision beispielsweise nicht an die Label-eigene Saarbrücker Skrowaczewski-Konkurrenz heran. Beeindruckend hingegen Simone Youngs Gespür fürs Filigrane, Duftende – und für den mitreißenden Sturm-und-Drang des 40-jährigen alpenländischen Querkopfs.

Christoph Braun, 18.06.2011



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