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Gioachino Rossini

Ouvertüren

Münchener Kammerorchester, Alexander Liebreich

Sony 88697 771412
(60 Min., 7/2010)

Wenn man eine der Referenzaufnahmen (sogar erst kürzlich wiederveröffentlicht) im eigenen Katalog hat, sollte man sich gut überlegen, ob – und mit wem – man eine weitere Einspielung dieses Repertoires herausbringt. Alexander Liebreich präsentiert mit dem Münchener Kammerorchester, dessen künstlerischer Leiter er seit fast fünf Jahren ist, auf dieser CD acht Rossini-Ouvertüren. Und begibt sich damit in direkte Konkurrenz zu Fritz Reiner und seinem Chicago Symphony Orchestra: ein Kampf, der kaum zu gewinnen ist, und auf jeden Fall nicht von Liebreich.
Der 43-jährige Regensburger lässt diese Stücke wunderbar delikat und duftig musizieren, doch klingen sie leider durch und durch deutsch. Alle Partituranweisungen werden aufmerksam und tonschön befolgt, man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Rossini als begnadeter Sinfoniker inthronisiert werden soll. Da hebt nichts ab, da pocht und pulsiert kein italienisches Blut, die Rossini-Walze kommt überhaupt nicht richtig in Gang. Fritz Reiner entwickelte da 1958 einen ganz anderen Drive, bei sogar geringfügig langsameren Tempi baute er ungleich mehr Spannung auf, fegt den Zuhörer förmlich vom Stuhl. Und das nicht nur bei der unvermeidlichen "Wilhelm Tell"-Ouvertüre, wo Liebreich mit dem MKO bestenfalls ein kleines Gewitter aufziehen lässt, anstatt einen Sturm zu entfesseln.

Michael Blümke, 25.06.2011



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