Ja, es gibt sie – die rundum vergnüglichen Opernabende, die erfreulicherweise auf DVD gebannt werden. Wobei dieser hier sicher nicht konserviert worden wäre, wenn er nicht an der New Yorker MET stattgefunden hätte und die Hauptdarstellerin nicht Anna Netrebko heißen würde. So aber darf man die Russin gelöst wie selten und in absoluter Topform genießen. La Netrebko schöpft stimmlich aus dem Vollen, gut, manchmal trägt sie vielleicht etwas zu dick auf, aber wer kann, der kann. Zudem hat sie sichtlich Spaß auf der Bühne, ist herrlich kokett und durchtrieben, genießt das Spiel mit dem Spiel, persifliert es augenzwinkernd. Man wünscht sich mehr Rollen wie diese von ihr, zumal es auch der Norina gut tut, wenn sie von einer 'richtigen' Frau gesungen wird anstatt von einem jungen Zwitschervögelchen. Das Duett mit Malatesta gerät zum Herzstück der Aufführung, da ziehen Anna Netrebko und Mariusz Kwiecień stimmlich wie darstellerisch alle Register und bringen das Haus zum Toben. Kwiecień ist allerdings auch ein Malatesta aus dem Bilderbuch mit seiner geschmeidigen, auch in schnellen Passagen sicheren und geläufigen Stimme und seinem energiegeladenen Spiel, kurz, mit seiner Präsenz, die ihn zum glaubwürdigen Drahtzieher des Ganzen macht. Als Ernesto ist der höhensichere Matthew Polenzani zu hören, ein stimmlich hingebungsvoller Tenor mit Schmelz und leicht metallischem Kern. Enttäuschend und der Kollegen unwürdig allerdings die Besetzung der Titelpartie mit John del Carlo: Der Amerikaner wartet nur noch mit armseligen Stimmresten auf, zieht dafür auf der Bühne alle (auch und vor allem billigen) Register – so etwas sollte an der MET nicht möglich sein. Dafür sorgt James Levine im Orchestergraben von der Ouvertüre an für ein energiegeladenes Spiel voll Brio. Er weiß halt einfach, wie man's macht! Und die deliziöse, selbstverständlich 'altmodische' Inszenierung von Altmeister Otto Schenk tut ein Übriges, um dem Zuschauer rund zwei Stunden Genuss pur zu bereiten.

Michael Blümke, 02.07.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten


Hier fuenf Sterne zu vergeben, trotz der grossen Einwaende gegenueber John del Carlos Pasquale, ist grosszuegig, Herr Bluemke. Denn auch Netrebko zeigt sich, nimmt man ihr adrettes Aussehen und doch zugleich unangemessen uebertriebenes Auftreten aus, den stimmlichen Anforderungen der Partei nicht wirklich gewachsen. Da hier das fabelhafte Duett Malatesta-Norina als Referenz zitiert wird, in dem Mariusz Kwiecen sich als guter und agiler Saenger agiert, muss man weiterhin einwenden, dass offenbar die Buehne der Met zum Bruellen auffordert. Mehr Differenzierung waere ein Gewinn fuer die Musik.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sie stand an der Supermarktkasse, als er fragte. Nein, hier geht es nicht etwa um einen Heiratsantrag, sondern nur um die bescheidene Frage, wie der Trompeter Simon Höfele und die Pianistin Elisabeth Brauß für ihr neues Album zusammenfanden. Die beiden jungen Künstler haben sich in ihrem Bereich jeweils einen Namen gemacht und so wundert es denn auch nicht, dass diese Kollaboration zu einem sehr vielversprechenden Hörergebnis führt. Hatte Höfele mit seinem Vorgängeralbum „Standards“ […] mehr »


Top