Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy

Klavierkonzerte, Rondo brilliant

Martin Helmchen, Königlich Flämische Philharmonie, Philippe Herreweghe

Pentatone/Codaex PTC 5186366
(55 Min., 2/2010)

Eigentlich sind Mendelssohns Klavierkonzerte eine gute Wahl für junge Pianisten. Um diesen erzromantischen Stücken nahe zu kommen, braucht es keine Lebenserfahrung, sondern nur flinke Finger und ein heißes Herz. Erstere hat Martin Helmchen natürlich: Akkurat absolviert er mit kristallklarem Ton die schnellen Läufe, sorgfältig modelliert er auch die verträumten Melodielinien der langsamen Sätze, und im etwas gewichtigeren d-Moll-Konzert zeigt er, dass er auch akkordisch klotzen kann. Nur mit dem heißen Herzen hapert es leider. Zu keinem Zeitpunkt entwickelt der 28-jährige Berliner Nachwuchspianist den Überdruck und die Inbrunst, die die Musik erst zum Sprechen bringen. Dass das keine Frage des Alters ist, zeigt nach wie vor die Aufnahme von Altmeister Rudolf Serkin: Gegen den funkensprühenden Furor, den der damals 53-jährige Serkin im g-Moll-Konzert entfesselte, wirkt Helmchen geradezu pedantisch. Ebenso der langsame Satz – wo Serkin zu Beginn mit starken Kontrasten eine Spannung zwischen Zärtlichkeit und Kernigkeit schafft, ebnet Helmchen diese Stelle dynamisch ein. Oder auch der Kopfsatz des d-Moll-Konzerts, wo der Pianist sich gleich zu Beginn mit fast improvisatorischem Gestus in dramatischen Furor hineinsteigern muss – da wirkt Helmchen geradezu kleinlaut, kein Wunder, dass dann im ganzen Satz die Spannung durchhängt. Zum harmlosen Gesamteindruck tragen auch die durchweg etwas zu langsamen Tempi bei, für die der arg pedantisch agierende Philippe Herreweghe am Pult der Flämischen Philharmoniker verantwortlich zeichnet. Mendelssohn aus der Klavierstunde.

Jörg Königsdorf, 09.07.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Olivier Messiaens Turangalîla-Sinfonie zählt ohne Zweifel zu den eindrücklichsten und gewaltigsten Monumenten der Sinfonik des 20. Jahrhunderts. Dieses mit 80 Minuten überlange Monstrum von Sinfonie spielt man nicht ohne Weiteres – weder live im Konzertsaal, noch auf CD ein. Und so war es durchaus ein Ereignis, als das Mannheimer-Nationaltheaterorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Alexander Soddy diesen Meilenstein in Prä-Corona-Zeiten dank Spendenunterstützung als […] mehr »


Top