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Joseph Haydn

Streichquartette opp. 20/3, 20/4 & 33/5

Hugo Wolf Quartett

Zappel/Codaex VMS 222
(80 Min., 7/2009)

Eines der Streichquartette, die das allgemeine Bild dieser Formationen in den letzten zehn, fünfzehn Jahren gehörig revolutioniert haben, ist das Wiener Hugo Wolf Quartett. Nicht mehr gesetzte Herrenrunden prägen heute die Szene, sondern vielmehr junge, mitunter auch unkonventionelle Ensembles wie das Quatuor Ébène, das Cuarteto Casals, das Minetti Quartett – oder eben die Dame und ihre drei Herren vom mittlerweile schon 18 Jahre bestehenden Hugo Wolf Quartett.
Beim Kammermusikfest Lockenhaus haben die Musiker zum Haydn-Jubiläum 2009 drei seiner Streichquartette gespielt und auch auf CD festhalten können. Was dabei zuerst auffällt, ist der sparsame Gebrauch des Vibratos. Ohne 'Historisten' zu sein, lassen die Vier Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis in ihr Spiel einfließen, es davon beleben, was vor allem in der fein gezeichneten Rhetorik wunderbar zum Ausdruck kommt.
Die beiden Quartette aus dem Sechserpack des Opus 20 zeigen ein gut fokussiertes, prägnantes Spiel, rhythmisch sehr pointiert, wunderbar 'frei' und atmend. Der langsame Satz von op. 20/4 beispielsweise fließt wunderbar entspannt und innig, der Finalsatz kommt keck und vorwitzig daher und bildet einen mitreißenden Ausklang. Fünf Tage später, als das G-Dur-Quartett op. 33/5 bei einem anderen Konzert mitgeschnitten wurde, hatte das Quartett einen nicht ganz so guten Tag, da fehlt es gelegentlich ein bisschen an Konzentration und Prägnanz, auch gibt es hier und da an der Artikulation etwas zu mäkeln. Trotz dieser Einschränkungen ist das aber ein wunderbar frischer, lebendiger Haydn, von dem man gerne mehr hören würde.

Michael Blümke, 09.07.2011



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