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Wolfgang Amadeus Mozart

Opern- und Konzertarien

Ildebrando D'Arcangelo, Orchestra del Teatro Regio di Torino, Gianandrea Noseda

DG/Universal 477 9297
(61 Min., 6/2010)

Er ist viel in Sachen Mozart unterwegs, da lag es nahe, ihn für ein Arienrecital mit 'seinen' Partien (nebst einigen Konzertarien) auch ins Aufnahmestudio zu bitten. Ildebrando D'Arcangelo verfügt über einen Bassbariton von eher grobkörniger Konsistenz, sehr viril im Klang, allerdings nicht besonders elegant, mit kräftiger Höhe und einem leichten Substanzverlust in der Extremtiefe, generell auch zu virtuosen Passagen fähig, wenngleich ich ihn bei Vivaldi schon koloratursicherer gehört habe als in diesem Programm. Der rein vokale Eindruck ist also – mit Einschränkungen – positiv.
Doch man kommt nicht umhin, bei dem 42-jährigen Italiener öfter eine gewisse emotionale, darstellerische Distanz festzustellen. "Mozart ist der Komponist, der in mir die Leidenschaft für Musik erweckt hat." verkündet D'Arcangelo im Booklet, aber genau diese Leidenschaft würde man gerne auch stärker hören. Ein bisschen mehr Engagement, mehr Feuer würde seinen Partien gut bekommen, aber das entspricht wohl nicht so dem Temperament des Sängers.
Die Registerarie wirkt wie ein Vorführstück auf dem Konzertpodium, nicht wie die Erzählung einer Bühnenfigur. Don Giovannis "Deh, vieni alla finestra" hat so gar nichts Lockendes, auch in der Champagnerarie scheint er merkwürdig unbeteiligt. Figaros "Se vuol ballare" kommt absolut harmlos daher, von der innewohnenden Drohung ist rein gar nichts zu hören. Dafür meistert er die Arie des Grafen – auch gestalterisch! – sehr gut, sogar den selbst für einen reinen Bariton strapaziösen Schlussteil (wenn auch die Koloraturen hier nicht die saubersten sind). In jeder Hinsicht überzeugend auch die beiden Guglielmo-Arien. Wenn es dem Sänger also gelänge, gestalterisch das einzulösen, was sein Aussehen verspricht, wäre er mit seinen stimmlichen Möglichkeiten auch bei den anderen Partien erste Wahl.

Michael Blümke, 16.07.2011



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