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Checkpoint Jazz

Kühntett

Double Moon/SunnyMoon DMCHR 71098
(57 Min., 6/2010)

Der "Checkpoint Jazz" ist kein Grenzübergang, an dem Pässe gezeigt und Zutritte gestattet oder verwehrt werden. Hier checken vier Musiker eher, was alles 'Jazz' ist, wie weit seine Grenzen gehen, was alles innerhalb dieses Begriffs möglich ist, seit er sich von einer Spielart der amerikanischen Unterhaltungsmusik zur weltumspannenden Form improvisierter Kunstmusik fortentwickelt hat, oft ohne den Unterhaltungscharakter zu verlieren. Dieser Jazz ist keine Popmusik mehr, und die filigrane Rhythmusarbeit des Schlagzeugers Marcel Gustke und des Bassisten Axel Kühn fordert auch nicht gerade zum Tanzen heraus. Die beiden bilden mit Raffinesse und Energie eine solide Achse, und davon profitieren der melodienreiche Saxophonist Alexander "Sandi" Kuhn und der sensibel im Spannungsfeld zwischen Unterstützung des Solisten und den beiden Rhythmikern agierende Pianist Christoph Heckeler.
Funky Schlagfolgen und der in den 1960ern entwickelte nervöse Puls des damals modernen Jazz prägen die Grundlage, wobei in drei Titeln der Steel Gitarrist Rüdiger Eisenhauer zusätzliche Farbe ins Spiel bringt. In drei weiteren bereichert das Streichquartett Strings Deluxe die Klangpalette: Auch hier haben sie gecheckt, wie diese Klangwelt in ihr Jazzkonzept integriert werden kann. Das alles hört sich kompliziert und verkopft an. Ist es aber nicht, denn das Kühntett hat auch verstanden, dass weitläufige, elegante Melodien und ständig wechselnde Farben sowie Verzögerungen und Schwebezustände im modernen Jazz Punkte sein können, an denen sich die Hörer wie Kletterer in einer Felswand festhaken und durch das von der Band angebotene Gedanken-Seil den nächsten Wendepunkt mitgehen können. Sie sind eben Jazz-Checker.

Werner Stiefele, 16.07.2011



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