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François Couperin

Leçons de Ténèbres

Robin Blaze, Daniel Taylor, Theatre of Early Music

Bis/Klassik Center CD 1346
(59 Min., 11/2003) 1 CD

Ihre erste Hochblüte hatte die Gattung der Lamentatio, also des liturgisch in die Matutinen des Mittwochs, Donnerstags und Freitags der Karwoche gehörigen alttestamentlichen Klagegesangs, im Zeitalter der Vokalpolyphonie: Eine große Zahl von Komponisten des 15. und 16. Jahrhunderts bereicherten das feierliche Stundengebet des Sacrum triduum paschale um wundervolle, äußerst bewegende chorische Klagelied-Vertonungen. In der Barockzeit kam es dann zu neuen Höhepunkten dieser Gattung, nun allerdings im monodischen Stil, also als instrumental begleiteter Sologesang. Solisten unterliegen eher als Ensembles der Gefahr, neben der Musik vor allem sich selbst zu zelebrieren, und so wundert es nicht, dass es etwa im barocken Frankreich Klagen darüber gab, die Leçons de Ténèbres, wie die Lamentationen hier genannt wurden, seien zum Gegenstand säkularer Konzertereignisse geworden, wo sich eher Fans bestimmter Sängerinnen als Gläubige zu versammeln pflegten, um den vokalen Kunststückchen ihrer Favoritin zu lauschen.
Auch die berühmten Leçons de Ténèbres von François Couperin (nur der erste von ursprünglich wohl drei Zyklen für die drei Kartage ist überliefert) bieten genügend Raum für vokale Virtuosität, wenn auch die Besetzung - ein bzw. zwei Sänger mit Basso Continuo - sehr sparsam gehalten ist: Die Melodielinien sind zeittypisch mit zahlreichen Verzierungsanweisungen versehen. Bewusst vermeiden jedoch Daniel Taylor und Robin Blaze in der vorliegenden Neueinspielung jegliche Äußerlichkeit und bieten vielmehr eine verhalten-meditative, vollkommen unprätentiöse Darbietung der drei Lektionen, was sich u. a. auch im zeitlichen Rahmen widerspiegelt: Alle drei Stücke sind auf dieser CD deutlich langsamer als in allen anderen Aufnahmen, die dem Rezensenten vorlagen. Taylor und Blaze liebkosen die Kantilenen mit größter Innigkeit und viel Liebe zum textlichen Detail; sie bringen die expressiven Möglichkeiten ihrer Linien vorzüglich in Einklang mit dem Textinhalt - eigentlich selbstverständlich, sollte man meinen, aber beim Vergleich mit anderen Einspielungen überrascht doch die weit verbreitete unbekümmerte Eindimensionalität bei der Darbietung dieser Stücke. Der Rezensent muss für sich dennoch eine Einschränkung machen: Das Optimum an sängerischer Schwerelosigkeit, an schlackenfreier, sauberer Tonproduktion scheint auch bei Blaze und Taylor noch nicht ganz erreicht.

07.05.2005



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