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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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A Moment’s Peace

John Scofield

Emarcy/Universal 764 2482
(64 Min.)

Er wolle sich mit diesem Album vor Sängerinnen wie Billie Holiday, Abbey Lincoln oder Nina Simone verbeugen, sagt John Scofield. Der Plattenfirma dürfte es aber nicht unrecht sein, dass sich der Gitarrist auch ein wenig in die Richtung des countrypoppigen Salon-Jazz der Damen Norah Jones und Madeleine Peyroux verneigt. Denn „A Moment’s Peace“ sollte auch jene nicht allzu sehr verschrecken, die improvisierte Musik zuvorderst als Lifestyle-Accessoire begreifen - Scofield, Pianist/Organist Larry Goldings, Bassist Scott Colley und Schlagzeuger Brian Blade gehen zumindest sehr benutzerfreundlich dezent vor.
Es wäre aber verfehlt, diese Balladensammlung als schnöde Konfektionsware für den schnellen Gebrauch zu bezeichnen. Auch wenn manche Nummern haarscharf an der Peinlichkeit vorbeischrammen (Carla Bleys „Lawns“ hat ein bisschen was von Tanztee-Beschallung, „You Don’t Know What Love Is“ muss man nicht wirklich in einer Reggae-Version spielen), so verhindert das beständig still lodernde Feuer und der latente Biss der Aufnahme ein Abgleiten ins Unverbindliche.
Es ist halt immer noch John Scofield. Was bedeutet: Bis auf das an Jim Hall erinnernde „Already September“ hört man von der Gitarre dieses leicht angezerrte Fauchen, diese charakteristischen Bendings und diese typischen Linien zwischen Blues, Bop und Funk. Außerdem finden sich auf „A Moment’s Peace“ neben Standards und dem Beatles-Stück „I Will“ auch mal wieder einige Beispiele für Scofields Ohrwurm-Kompositionskunst, in der immer ein kleines Grinsen versteckt ist.
Überhaupt: So „tongue in cheek“, wie Scofield und die Seinen hier zuweilen agieren (man höre die orgelschwanger-pornöse Bearbeitung von „Gee, Baby, Ain’t I Good To You?“), muss man zu dem Schluss kommen: „A Moment’s Peace“ dürfte eines der am wenigsten balladenhaften Balladenalben der Jazzgeschichte sein.

Josef Engels, 30.07.2011



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