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Celestial Circle

Marilyn Mazur

ECM 2228/ Universal
(54 Min., 12/2010)

Marilyn Mazur, die polyglotte Schlagwerkerin aus Dänemark, liebt feinsinnige Texturen. Sie hat ein ungeheures Gespür für das, was man Klangfarbenmelodik und -harmonik nennen könnte. In ihrem Geviert aus unzähligen Metallo- und Membranofonen und klassischem Drumset wirkt sie wie eine Gefangene, und dabei ist sie das Gegenteil davon: Sie scheint bar jeder Fessel und beflügelt hoch konzentriert eine Musik, die selbst da, wo sie Arrangements folgt, Freiheit atmet. Die oft irisierenden Klänge des Schlagwerks sind nie aufdringlich, sind liebevoller Herzschlag und Energiequell.
„Celestial Circle“, das ist auch eine unverwechselbare Gruppenidentität. Die außergewöhnliche schwedische Sängerin Josefine Cronholm prägt dieses weitgehend Song-orientierte Album. Sie verfügt über eine metallisch mädchenhafte Stimme, die sich kraftvoll von dem unterscheidet, was man oft mit nordischem Sirenengesäusel assoziiert. Ihr Landsmann Anders Jormin formt und bündelt zupackend mit mächtigem Naturton am Kontrabass die perkussiven Strukturen. Elf der vierzehn Tracks bereichert der britische Pianist John Taylor mit melancholischem Funkeln aus subtiler Reduktion und klangmodellierender Finesse. Dabei wechseln tiefsinnig exotische Klangabenteuer mit ernsten Liedern, dann feiert wieder das Lebensglück ausgelassene Trommelriten, und die beiden Frauen jubeln in gemeinsamen Vokalisen dazu.
Das alles ist kongenial aufgenommen, jede Klangnuance kommt zu ihrem vollen Recht, alles ist organisch integriert, nichts wird um eines Effektes willen gepusht. „Celestial Circle“, dieser Musik schaffende Zirkel, hat da fürwahr einen Zyklus zauberhafter Miniaturen geschaffen. Unbeschwert kündet er von himmlischer Harmonie.

Thomas Fitterling, 30.07.2011



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