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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Jean-Philippe Rameau

L’Orchestre de Louis XV

Le Concert des Nations, Jordi Savall

Alia Vox/harmonia mundi AVSA9882
(107 Min., 2/2010 & 1/2011)

Mit der Orchestermusik Jean-Philippe Rameaus setzt sich Jordi Savall in dieser CD-Veröffentlichung auseinander, die sich aus live mitgeschnittenen Konzertauftritten mit seinem Concert des Nations speist. Orchestersuiten aus „Les Indes galantes“ (1735), „Naїs“ (1748), „Zoroastre“ (1749) und „Les Boréades“ (1764) präsentiert er, wir hören also Ouvertüren und anschließende Tanzfolgen. Überwältigend ist zunächst die Wucht, mit der diese Musik unter Savalls Händen daherkommt: Pauken und Trommeln donnern, Hörner und Trompeten schmettern, Continuo-Instrumente machen eine Menge Lärm, auch die Streicher langen bemerkenswert kräftig zu. Auf Artikulationsebene wird mit scharfen und schärfsten Konturen gearbeitet. Energische Klangentfaltung, überaus spannungsgeladene Phrasenbildung bestimmen durchweg das Bild. Wer sich die höfische Musik des Rokoko irgendwie zart und empfindsam vorgestellt hat, wird sehr überrascht sein. Begeisternd ist die Vielfalt der instrumentalen Farben, die hier zum Einsatz kommen: Inspiriert teils durch die exotischen Themen der Stücke (in „Les Indes galantes“ geht es um „wilde“ Völker verschiedener Kontinente) lässt Rameau seiner Fantasie freien Lauf und zaubert u. a. unter Beteiligung von Tambourins, Dudelsäcken (Musettes de Cour) ein prägnantes Klangpanorama nach dem anderen. Wobei natürlich auch ein „Air pour les esclaves africains“ oder ein „Air des Incas pour la dévotion du soleil“ für unsere Ohren immer ganz europäisch tönt. Aber um volkskundliche Forschung ging es freilich nicht, sondern um die Präsentation von immer wieder spektakulär Neuem im Rahmen des bei Hofe Beliebten und Vertrauten. Alles in allem ein ausgesprochen kurzweiliges, anregendes Programm, begleitet durch kompetente Beihefttexte – für Liebhaber französischer Barockmusik ist Savalls Rameau-Lesart wohl fast ein „Muss“.

Michael Wersin, 30.07.2011



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