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Peter Iljitsch Tschaikowski, Dmitri Schostakowitsch

Streichquartett Nr. 3 es-Moll, Klaviertrio Nr. 2 e-Moll

Lars Vogt, Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff, Antje Weithaas, Tatjana Masurenko, Gustav Rivinius

CAvi-music/harmonia mundi 8553224
(65 Min., 6/2010)

Kein gewöhnliches Konzert fand da am 8. Juni letzten Jahres in Heimbach statt. Wo? Lars Vogt, einer der angesehensten Pianisten unserer Tage, gründete vor 13 Jahren das kleine Kammermusikfestival „Spannungen: Musik im Kraftwerk Heimbach“ in der Nähe seines Geburtsortes Düren in der Rureifel und lädt seither Freunde und Bekannte von höchsten künstlerischen Graden zu sich ein. Jenes Konzert machte dem „Spannungs“-Festivaltitel alle Ehre. Wie konnte Tschaikowski, so mussten sich die Kraftwerksbesucher fragen, nach einem derart trostlosen, stockend-resignativen „Andante funebre e doloroso“ ein derart folkloristisch-übermütiges „risoluto“-Rondo-Finale schreiben!? Da die Frage einem Russen gilt, denkt vielleicht mancher an ein Wodka-Delirium, mit dem der 36-Jährige in seinem dritten Streichquartett den Verlust seines Freundes und bewunderten Geigen-Kollegen Ferdinand Laub verarbeitet habe. Aber auch die gängige Erklärung, Tschaikowski habe sich letztlich optimistisch für das Leben entschieden, trägt nicht recht. (Da hilft der Hinweis auf das Vorbild Beethoven und dessen Ausdruckskontraste der späten Quartette schon weiter).
Die Art, mit der Christian Tetzlaff, Antje Weithaas, Tatjana Masurenko und Gustav Rivinius in Heimbach die ganze Fallhöhe dieses op. 30 präsentierten – gleichermaßen subkutan den intimsten Trauer-Regungen nachspürend und drastisch zupackend im es-Moll-Schmerz wie im Dur-Kehraus – dies machte jene Frage noch dringlicher. Zumal mit Schostakowitschs zweitem Klaviertrio von 1944 ein weiteres kammermusikalisches Requiem auf dem Programm stand, das nun wirklich kein „happy end“ kennt. Hier war der Heimbacher Hausherr zusammen mit den Tetzlaff-Geschwistern am Werk. Schon allein diese Namen garantierten, dass Schostakowitschs aschfahles, zunehmend sarkastisch-zynisches Entsetzen über den persönlichen Verlust seines engsten Freundes und Anhängers Iwan Sollertinski wie auch über die grauenhaften Zeitgeschehnisse, insbesondere die Judenpogrome, in denkbar „verständigen“, mitfühlenden Händen lag.
Dass man in Heimbach eine künstlerische Familie ist, glaubt man gerne angesichts der Ensemblequalitäten, die jedes Jahr in dieser einen Juni-Woche zu bestaunen sind. Und die dann so verstörende wie faszinierende Konzerte hervorbringen wie dieses zweifache Requiem.

Christoph Braun, 30.07.2011



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