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Hyacinthe Jadin

Streichquartette op. 1

Quatuor Franz Joseph

ATMA Classique, ACD2 2610
(65 Min., 11/2008)

Vielleicht wäre er der französische Schubert geworden, hätte ihn die Tuberkulose nicht bereits im Alter von 24 Jahren dahingerafft. Dafür, dass die Musik von Hyacinthe Jadin ein romantischer Schauer zu umwehen scheint, ist aber nicht nur der frühe Tod des Komponisten verantwortlich zu machen, denn immer wieder durchbricht Jadin die Gesetzmäßigkeiten klassischen Komponierens. Dies ist auch bei den ersten drei Streichquartetten des 19-Jährigen der Fall. Nun sind diese zwar Joseph Haydn gewidmet und lassen die Verehrung für den österreichischen Erzklassiker bis in die Struktur einzelner Sätze deutlich spüren. Trotzdem ist Jadin in jedem Takt er selbst: Seine Setzart ist weniger durchgearbeitet und melodischer als die Haydns – und erhält doch durch die verschattete Harmonik immer wieder eine überraschende Tiefe. Und wo Haydn witzig wird, da wird Jadin gern abgründig: etwa im geisterhaften, einstimmig vorgetragenen Menuett des dritten Quartetts oder in der spukhaft-feierlichen Einleitung zum ersten Quartett, die in Archaik geradezu auf Schuberts „Tod und das Mädchen“ vorauszuweisen scheint. Das Quatuor Franz Joseph, dessen Mitglieder aus der derzeit höchst lebendigen Alte-Musik-Szene Kanadas stammen, spielen diese vielschichtigen Meisterwerke in einer lebendigen, differenzierten Interpretation, die sowohl die abgründig-melancholischen wie tänzerischen Dimensionen von Jadins Musik gerecht wird.

Carsten Niemann, 06.08.2011



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