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Claude Debussy

Pelléas und Mélisande

Bidu Sayão, Martial Singher, Alexander Kipnis

Naxos historical 8.110030-31
(136 Min., 1/1945) 2 CDs

Geschwindigkeitsweltrekord, dachte ich überrascht: 2 Stunden und 16 Minuten - das ist fast dreißig Minuten flotter als mein bestes Pferd im CD-Stall (Opéra de Nice, Carewe). Doch diese in der New Yorker MET 1945 live aufgezeichnete Pelléas-Version ist schmerzhaft beschnitten. Die Yniold-Szene im vierten Akt (die mit den Schäfchen) wird ausgelassen, und auch die wunderbare Schlußszene des zweiten Akts fällt fort. Das Beiheft sagt dazu kein Wort, und wer das Werk kaum kennt, wird betrogen.
Aber auch ohne Kürzungen wäre es der rasendste aller Pelléasse: Emil Cooper steht dieser hauchzarten, gar nicht dramatisch angespannten Musik völlig ratlos gegenüber, und damit man die Leere nicht hört, peitscht er das Orchester durch die Partitur. Wo der Ton fahler Gehetztheit am Platze ist, gelingen ihm versehentlich ein paar rasante Momente.
Dies wäre eine wirklich katastophale Aufführung, hätte die MET damals nicht ein Ensemble aufgeboten, das an Glanz und Charakter seinesgleichen sucht. Alexander Kipnis erfindet Debussys idealen Arkel: Eine weise, warme Altmännerstimme, die längst alle Kämpfe, ja alles Körperliche hinter sich gelassen hat. Und Martial Singher gibt endlich einmal einen rüstigen Pelleas mit Jugendkraft in der Stimme. So streift man durch diese Pelléas-Ruine und empfindet doppelt die Verschwendung dieser Mittel. Mehr als ein halber Triumph war es damals nicht, und auch davon bleibt uns nur eine Ahnung.

Matthias Kornemann, 30.06.1998



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